22.08.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Deutsche Umwelthilfe kritisiert Autoindustrie Schuss nicht gehört

Jürgen Resch ist ein Mann der klaren Worte. Er spart nicht mit Kritik an der Autoindustrie. Für den Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe ist klar: 2018 kommen Fahrverbote für Diesel in Städten.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Archivbild: Marijan Murat/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Auch fast zwei Jahre nach Beginn des Abgas-Skandals hat die Autoindustrie aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe nicht viel dazugelernt. "Ich bin mir sicher, dass die Automobilindustrie den Schuss noch nicht gehört hat", sagte Umwelthilfe-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. "Der Verlauf und die Placebo-Ergebnisse des Dieselgipfels zeigen, dass sie unverdrossen am schmutzigen Diesel festhält und anders als amerikanische, asiatische oder selbst französische Autobauer sich nur halbherzig dem Elektroantrieb zuwendet."

Wenn die Arbeitsplätze in Deutschland im Automobilbau erhalten werden sollten, dann gehe dies nur durch Fahrzeuge mit niedrigem Verbrauch und ehrlich sauberen Abgasen, sagte Resch.

"Mickey-Mouse-Software"

Im September 2015 hatte VW Abgas-Manipulationen bei Dieselfahrzeugen eingeräumt. Im Bundestagswahlkampf hat die Debatte noch einmal an Fahrt aufgenommen. Fahrverbote in Städten für Dieselautos sind aus Sicht von Resch unausweichlich, um Bürger vor gesundheitsgefährlichen Stickoxiden zu schützen. Die bisherigen Entscheidungen der Gerichte in Düsseldorf, München und Stuttgart sprächen eine eindeutige Sprache.

Die beim Diesel-Gipfel beschlossenen "Mickey-Mouse-Software-Veränderungen" für eine bessere Abgasreinigung änderten nichts am Fahrverbot für diese Fahrzeuge. Eine Umrüstung koste 1500 Euro pro Fahrzeug. "In dem Moment, in dem die Autoindustrie erkennt, dass die Diesel-Fahrverbote tatsächlich kommen, wird sie spätestens damit beginnen, die Diesel-Pkw wirksam nachzubessern." Nach Darstellung der Autobranche sind Nachrüstungen am Motor selbst schwierig, teils sogar unmöglich, und das Verbesserungspotenzial ungewiss.

Resch sagte weiter, notwendig sei ein "radikaler Kurswechsel" in der Modellpolitik - "weg vom Edel-Geländewagen mit fast ausschließlich Diesel-Motoren hin zu leichteren normalen Pkws mit sauberen und im Idealfall emissionsfreien Antrieben". "Arbeitsplätze im deutschen Autobau lassen sich nur dann langfristig erhalten, wenn die Fahrzeuge auf der Straße genauso sauber wie im Labor sind. Für schmutzige Betrugsfahrzeuge sehe ich keine Zukunft."

Maßnahmen in Österreich

Am Dienstag, knapp drei Wochen nach dem Diesel-Gipfel in Deutschland, hat sich auch die österreichische Regierung mit Vertretern mehrerer Autohersteller auf eine Reihe von Sofortmaßnahmen für betroffene Fahrzeuge verständigt. Mehr als 600 000 Diesel-Fahrzeuge sollen demnach Software-Updates bekommen. Das sagte Verkehrsminister Jörg Leichtfried in Wien.

Darunter seien rund 350 000 Autos von VW, die nach dem Skandal um Abgasmanipulationen verpflichtend nachgerüstet werden müssen. Für die freiwilligen Software-Updates werde es Belohnungen für Fahrer geben. Zusätzlich würden sogenannte Öko-Prämien eingeführt. Fahrer, die auf ein umweltfreundlicheres Auto umsteigen, können demnach bis zu 10 000 Euro bekommen.

Das Maßnahmen-Paket sei der Auftakt für eine breite Umweltstrategie, erläuterte Leichtfried. "Ich will den Verkehr sauber und leistbar machen. Dafür müssen alle an einem Strang ziehen." Teure und aufwendige Umbauten an Motoren wurden nicht vereinbart.

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