03.11.2017 - 20:44 Uhr
Deutschland & Welt

Deutscher Leitindex erreicht erstmals 13.500 Punkte Dax in Rekordlaune

Lange verharrte der deutsche Leitindex vor der Marke von 13 000 Punkten. Nun erklimmt er fast täglich Rekorde - allen Krisenherden zum Trotz. Was steckt dahinter?

von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Am Mittwoch schaffte der Leitindex 230 Zähler, ohne dass es dafür einen neuen maßgeblichen Grund gab. An diesem Freitag knackte der Dax erstmals die 13 500 Punkte. Zum Handelsende gab er zwar wieder leicht nach. Insgesamt ist der Trend aber seit längerem positiv. Unsicherheiten wie der Brexit, die Spannungen mit Nordkorea oder die Katalonien-Krise stören kaum.

Selbst Experten sind erstaunt über die Gewinne. Denn die üblichen Schwankungen an den Märkten sind klein geworden. Der Dax läuft ohne große Rücksetzer immer höher. Binnen eines Jahres steht ein Plus von knapp 30 Prozent: Anfang November 2016 notierte der Dax bei unter 10 300 Zählern. Einen Crash gab es seit Jahren nicht. "Wir erleben einen der längsten Aktienmarktaufschwünge der Wirtschaftsgeschichte", sagt Christian Kahler, Anlagestratege bei der DZ Bank. Seit März 2009, dem Börsentief in der globalen Finanzkrise, seien die Kurse stark gestiegen.

Für den Aufstieg gibt es gute Gründe: Die Weltwirtschaft gewinnt an Fahrt. Während in den USA der Aufschwung schon länger läuft, erholt sich nun die Eurozone. Dort fiel die Arbeitslosigkeit jüngst auf 8,9 Prozent - der niedrigste Stand seit Januar 2009. Viele Bürger haben mehr Geld in der Tasche. Auch die Firmengewinne wachsen. Jüngst stieg die Stimmung in der deutschen Wirtschaft gemessen am Ifo-Index auf einen Rekord. In Schlüsselbranchen wie Elektrotechnik, Chemie oder Maschinenbau brummt das Geschäft. Gestützt wird die Börse von der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken, die die Zinsen gedrückt hat. Investoren legen das billige Geld gezwungenermaßen in Aktien an. Die EZB hat zwar angekündigt, ihre Anleihekäufe zu halbieren - aber auch um neun Monate zu verlängern. Auch in den USA sind keine starken Zinsanstiege zu erwarten. Der designierte Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, gilt als moderat. "Seine Nominierung ist ein Signal für geldpolitische Kontinuität", schreibt der Fondsanbieter Fidelity.

Zwar mehren sich die Stimmen, die angesichts der langen Gewinnserie vor einem Börsencrash warnen. Auch sind US-Aktien historisch betrachtet sehr teuer. Sollten sie fallen, dürfte sich der Dax kaum entziehen können. Doch wann ein Crash kommt, weiß niemand. Und mit der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump würden die amerikanischen Börsen gestützt, sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanleger bei der Fondstochter der Deutschen Bank. Selbst wenn die Pläne kleiner ausfielen als angekündigt, sinke die Abgabenlast der Firmen.

Viele Großanleger können es sich ohnehin nicht leisten, auszusteigen und dem Kursanstieg hinterherzuschauen. Dann würden ihre Kunden, deren Geld sie verwalten, neidisch auf die Konkurrenz blicken. Zumal die Börsen im Herbst statistisch gesehen oft steigen. Zudem sieht es wirtschaftlich gut aus. "Die positive Konjunktur dürfte anhalten, ein unmittelbares Ende ist nicht in Sicht", schreibt Anlagestratege Kahler. So dürfte 2017 ein herausragendes Jahr im Dax werden. Seit Januar steht ein Plus von fast 18 Prozent. Geht es weiter hoch, winkt das beste Aktienjahr seit 2013 - damals stieg der Dax um rund ein Viertel.

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