Die E-Auto-Revolution
In Deutschland geht´s nur langsam vorwärts

Ein halbes Jahr nach dem Start gibt es weiter kaum Interesse an der Kaufprämie für Elektroautos. Bild: dpa

Elektroautos sind in Deutschland nach wie vor Ladenhüter. Für die Hersteller ist das schwierig. Die Entwicklung der E-Autos kostet Milliarden, viel Geld verdient die Branche damit bisher aber nicht. Und Arbeitnehmervertreter fürchten um Jobs.

Berlin. Auf der Lade-Landkarte gibt es große weiße Flecken. Wer sein Elektroauto an öffentlichen Stationen laden will, sucht vor allem auf dem Land oft vergeblich. Die fehlende flächendeckende Infrastruktur gilt als einer der Hauptgründe dafür, dass die Elektromobilität in Deutschland nur schleppend vorankommt. Bei der E-Auto-Kaufprämie ist die Bilanz ein halbes Jahr nach deren Start ernüchternd: Bis zum 1. Januar 2017 wurden nur 9023 Anträge gestellt. Eigentlich sollte mit der Prämie die Nachfrage nach E-Autos angekurbelt werden. Die Bundesregierung erwartete zum Start, dass der Kauf von "mindestens 300 000 Fahrzeugen" angeschoben wird. Bisher aber sind E-Autos vor allem Ladenhüter. Erst recht bei Privatkunden. Denn fast die Hälfte der Anträge auf eine Prämie entfiel auf Unternehmen.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Elektromobilität hinterher. Die Entwicklung wird derzeit vor allem von China getrieben. Das geht aus einer Studie des Brancheninstituts CAM in Bergisch Gladbach hervor. Vorreiter in Europa ist Norwegen. Inzwischen sind dort mehr als 100 000 reine Elektroautos auf den Straßen unterwegs, der Marktanteil bei Neuwagen liegt bei fast 30 Prozent. Die Anschaffung von E-Autos wird seit Jahren massiv gefördert, es gibt viele Ladestationen. In Deutschland kommt der Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur an öffentlichen Ladestationen aber nur langsam voran. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht bis zum Jahr 2020 einen Bedarf an 70 000 öffentlichen Ladepunkten zur Normalladung und 7100 Schnellladepunkten: Zur Jahresmitte zählte der Verband bundesweit nur rund 6500 Ladepunkte, darunter 230 Schnellladepunkte.

Löcherige Ladeinfrastruktur

Der Bundesverband "eMobilität" kritisiert "Insellösungen" beim Aufbau der Ladeinfrastruktur, die seien häufig nicht miteinander vereinbar. "Um als Elektroautofahrer beispielsweise im gesamten Berliner Stadtgebiet laden zu können, benötigt man mindestens fünf Ladekarten von verschiedenen Anbietern", sagt eine Sprecherin. Die Autofahrer greifen derzeit auch deswegen nicht zu, weil E-Autos trotz Prämie immer noch vergleichsweise teuer sind. Dazu kommt das Problem der geringeren Reichweite - auch wenn die Hersteller bald Besserung versprechen.

Die Autobranche aber ist in einer Zwickmühle. Sie muss ihr Geschäft mit alternativen Antrieben deutlich ausbauen - auch um schärfere Umweltauflagen der EU zu erfüllen. Forschung und Entwicklung von E-Autos kosten Milliarden. Mit den Fahrzeugen verdienen die Autobauer derzeit aber wenig Geld - das machen sie vor allem mit den schweren sportlichen Geländewagen.

Das sorgt in der Branche für Rätselraten, und führt zu Äußerungen wie jener von VW-Chef Matthias Müller. Dieser hielt den Kunden im November vor, sie verhielten sich inkonsequent: "Einerseits denken und handeln viele im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir spitze Finger", sagte Müller der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung." Es mangele nicht am Angebot, sondern an der Nachfrage.

Angst um Arbeitsplätze

Und welche Folgen hat das kommende E-Auto-Zeitalter für die Beschäftigten der Branche? Von den derzeit rund 880 000 Mitarbeitern in Deutschland sind rund 250 000 in der Antriebstechnik tätig. Also in Bereichen, die bei der E-Auto-Produktion künftig wegfallen könnten. IG Metall-Chef Jörg Hofmann hofft zwar, Beschäftigungsprobleme würden durch die demografische Entwicklung gelöst, wenn viele ältere Arbeitnehmer in den Ruhestand gingen. Es sei aber notwendig, die übrigen für die neuen Tätigkeiten zu qualifizieren: "Es darf niemand unter die Räder kommen."
3 Kommentare
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Johann Strasser aus Winklarn | 03.01.2017 | 07:34  
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Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 03.01.2017 | 22:41  
39
Johann Strasser aus Winklarn | 04.01.2017 | 07:01  
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