Die wichtigsten Fragen zur europäischen Währung
Euro für alle

Der Euro soll Europa als gemeinsame Währung einen. Bild: Oliver Berg/dpa

Er soll Europa einen - doch nicht alle Länder machen mit. Nun kommt aus Brüssel ein neuer Vorstoß, den Euro zur Währung der gesamten EU zu machen. Nicht alle finden die Idee gut.

Frankfurt/Straßburg. Zum 1. Januar 1999 gaben sich die Europäer eine gemeinsame Währung. Erst nur elektronisch, von 2002 auch in Schein und Münze. Heute ist der Euro für 340 Millionen Menschen in 19 Staaten der Europäischen Union (EU) offizielles Zahlungsmittel. Ginge es nach dem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, könnte der Euro-Club noch größer werden. Hier die wichtigsten Fragen:

Wofür tritt Juncker ein?

"Wenn wir wollen, dass der Euro unseren Kontinent mehr eint als spaltet, dann sollte er mehr sein als die Währung einer ausgewählten Ländergruppe", bekräftigte der Kommissionschef am Mittwoch im Europaparlament. "Der Euro ist dazu bestimmt, die einheitliche Währung der Europäischen Union als Ganzes zu sein." Doch die EU-Mitgliedstaaten, die sich der Gemeinschaftswährung anschließen wollen, müssten dies auch können. "Deshalb schlage ich die Schaffung eines Euro-Beitrittsinstrumentes vor, das technische, und manchmal finanzielle Hilfen bietet."

Dürfen sich die EU-Staaten aussuchen, ob sie den Euro einführen?

Nein. Die Mitgliedsländer haben sich verpflichtet, den Euro einzuführen, sobald sie die Voraussetzungen erfüllen. Im Vertrag von Maastricht haben nur Dänemark und das Vereinigte Königreich eine Ausnahmeregelung erstritten. Großbritannien aber will ohnehin aus der EU austreten. Aber kein Land dürfte gegen seinen Willen in den Euro gedrängt werden.

Welche Voraussetzungen muss ein Land für Euro-Einführung erfüllen?

Beitrittskandidaten müssen vier Konvergenzkriterien erfüllen. So darf ihre Inflationsrate nicht mehr als 1,5 Prozent über der Teuerungsrate derjenigen drei EU-Länder liegen, die das beste Ergebnis erzielt haben. Öffentliche Finanzen müssen stabil sein. Das Haushaltsdefizit darf nicht mehr als 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, und die Verschuldung darf bei maximal 60 Prozent des BIP liegen. Allerdings wurden beim Schuldenstand für Länder wie Italien bei der Euro-Einführung Abweichungen zugelassen. Die anderen Kriterien beziehen sich auf die Wechselkursentwicklung und Zinssätze. EU-Kommission und Europäische Zentralbank (EZB) überprüfen alle zwei Jahre in einem Bericht die Fortschritte der Euro-Anwärter.

Wäre ein noch größerer Kreis an Euro-Staaten handlungsfähig?

Es würde zumindest schwieriger werden. Seit 2015 sind etwa im EZB-Rat nicht alle Mitglieder immer stimmberechtigt. Grund ist, dass damals Litauen das 19. Land im Euro-Club wurde. Frühzeitig hatten sich die Staaten verständig, in einer wachsenden Euro-Gruppe die Stimmzahl zu begrenzen, damit der EZB-Rat entscheiden kann. In der Praxis teilen sich die fünf größten Euro-Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Niederlande vier Stimmrechte. Ihre nationalen Notenbankchefs pausieren in jedem fünften Monat bei der Abstimmung. Die übrigen 14 Staaten haben 11 Stimmrechte, ihre Notenbankpräsidenten dürfen sich in je drei Monaten in Folge nicht am Votum beteiligen. Die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums haben dabei aber jedes Mal Stimmrecht.

Was halten Volkswirte von einer Erweiterung der Euro-Zone?

Nach Ansicht von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sollten die Europäer hier nichts übers Knie brechen. "Ich halte es aber wirtschaftlich für richtig, dass über die nächsten 10 bis 15 Jahre alle EU-Länder den Euro einführen." Die Gemeinschaftswährung habe vor allem den Handel und die Direktinvestitionen in Europa deutlich erhöht.

Plant derzeit denn ein Land konkret die Einführung des Euro?

Für kein Land gibt es einen konkreten Beitrittstermin. Diskutiert wird eine Euro-Mitgliedschaft aktuell in Tschechien. Sollte aber der in Umfragen führende Milliardär Andrej Babis die Parlamentswahlen im Oktober gewinnen, dürfte dort die Euro-Einführung in weite Ferne rücken.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.