15.02.2018 - 21:38 Uhr
Deutschland & Welt

Dieselmotor, E-Auto oder Hybride - was setzt sich durch? Hersteller im Diesel-Dilemma

Am Diesel scheiden sich die Geister. Ist er der Klimaretter, der es möglich macht, die CO2-Grenzwerte zu erreichen der ein übler Luftverpester? Die Frage ist, ob E-Autos den Verbrenner ersetzen können - und wann. Die Hersteller stecken in der Klemme.

von Agentur DPAProfil

Wolfsburg/Berlin. Muss man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man ein Auto mit Dieselmotor fährt? Tausende Todesfälle sollen auf das Diesel-Konto gehen, Krankheiten der Atemwege und mit Stickoxiden verpestete Innenstädte sowieso. Sind Fahrverbote in Städten also der richtige Weg? Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig könnte am 22. Februar eine wichtige Entscheidung treffen und den Weg frei machen für diese - rechtlich umstrittene - Maßnahme.

Dem Urteil bangen viele entgegen - die Autofahrer, deren gar nicht mal so alte Wagen es dann treffen könnte; die Politik, die sich um die Stickoxidbelastung lange nicht gekümmert hat; aber vor allem die Autobauer, die immer mehr darum kämpfen müssen, die EU-Grenzwerte gerade beim Klimagas CO2 zu erreichen. Aber geht das ohne Diesel? Das ist das Dilemma, in dem die Hersteller stecken. Wollen sie den Dieselmotor ersetzen, sind sie geradezu dazu verdammt, Elektroautos so bald wie möglich zum Erfolg zu machen. Davon sind sie aber weit entfernt. Selbst wenn es gelingt, verhindert der deutsche Strommix, dass E-Autos auf Anhieb die erhofften Saubermänner sind.

Werden etwa CO2-Grenzwerte verfehlt, drohen Strafzahlungen. Helfen könnte dabei der Diesel, doch dessen Anteil an den Zulassungen sinkt. Die Industrie sieht die Diesel-Technik in rosigerem Licht, nämlich als klimaschonenden, CO2-armen Retter der Branche. Für Matthias Wissmann, den scheidenden VDA-Präsidenten, ist E-Mobilität die Lösung, aber nicht die einzige. Der Verbrennungsmotor werde noch gebraucht, auch der Diesel "in seiner modernsten Form", betont er. "Totgesagte leben länger", sagt Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie. Alle Fragen der Emissionen seien in den neuesten Ausbaustufen gelöst, der Diesel werde noch lange bleiben. "So lange wir das Bedürfnis haben, das Fahrzeug mehr als 100 Kilometer zu bewegen", sagt er mit Blick auf die unter realen Bedingungen oft geringen Reichweiten der E-Autos.

Dieselmotoren seien die effizienteste Variante mit Vorteilen beim CO2-Ausstoß, bei hohen Laufleistungen und der Reichweite. Partikel und Stickoxide seien kein Thema mehr. Zwiespältig sieht dies Branchenexperte Stephan Bratzel. Es gebe inzwischen vergleichsweise saubere Diesel, aber diese seien teuer und nicht immer sinnvoll. Beim CO2-Ausstoß seien Diesel mittelfristig eine Alternative, doch der hohe Verbrauch der immer zahlreicheren Stadtgeländewagen fresse den Diesel-Vorteil nahezu auf. Wandern Kunden zum Benziner ab, verschärft sich das Problem.

Also kostenlos Bus und Bahn fahren, wie die Bundesregierung erwägt? Auch das bringt Probleme. Unklar ist etwa die Finanzierung, der Nahverkehr müsste massiv ausgebaut werden. Das würde Jahre dauern. Ist allein die E-Mobilität dann die Lösung? Für Koch könnte der Diesel-Hybrid der nächste große Trend werden. Bratzel wiederum beurteilt dies skeptisch, zwei Antriebe kosteten doppelt Geld - und die Abgasreinigung sei teuer. Seiner Meinung nach ist die Hochzeit des Diesels vorbei, in neue Dieselgenerationen zu investieren sei nur noch im Ausnahmefall sinnvoll.

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