Digitalisierung scheitert nicht am Geld
Digitalisierung: Es fehlen analoge Arbeitskräfte

Montageleiter Ali Divrik verbindet Glasfaserkabel zu einer neuen Leitung. Das schnelle Netz soll Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit/s (1000 Mbit/s) im Up- und Download erreichen. Allein, es fehlen die Fachkräfte, um alles zu verbauen. Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Breitbandausbau ist kein Problem des Geldes, sagt ein Fachmann - sondern der mangelnden Kapazitäten. Deswegen sei der ehrgeizige Zeitplan der Bundesregierung nicht zu halten.

Berlin/Mannheim. Zu wenig Kapazitäten bei der Planung und der Fachkräftemangel am Bau verzögern aus Sicht eines Bauverbandes den Ausbau des schnellen Internets. "Es fehlen massiv Planungskapazitäten - bei den Bauämtern und bei den Planungs- und Ingenieurbüros, welche die Unternehmen auch nicht übernehmen können", sagte der Vizepräsident des Rohrleitungsbauverbandes, Andreas Burger, der Deutschen Presse-Agentur. In den vergangenen Jahrzehnten seien Planungskapazitäten abgebaut worden.

"Der Breitbandausbau ist kein Problem des Geldes. Die öffentlichen Kassen sind gut gefüllt. Und ein Glasfaserkabel zu verlegen, ist nicht schwierig, wenn das Unternehmen über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügt und entsprechend zertifiziert ist", sagte Burger, der die Baufirma Sax + Klee in Mannheim leitet.

"Viele Baufirmen haben nicht genügend Kapazitäten, um die zusätzlich anfallenden Planungsleistungen zu übernehmen. Genehmigungen sind zu beantragen, man muss mit den Versorgern sprechen, mit Bauämtern", sagte Burger. Die Ausschreibungsunterlagen, die an die Firmen verschickt werden, seien umfangreich. "Es gibt planerische Vorgaben etwa über Mindestabstände zu bestehenden Leitungen und zur Verlegetiefe, die zu beachten sind."

Bauarbeiter gesucht

Burger verwies außerdem darauf, dass Fachkräfte am Bau fehlten. "In der Bauwirtschaft gab es mal 1,4 Millionen Beschäftigte." Aktuell seien es 800 000. "Wir müssen den Beruf wieder attraktiver machen und die berufliche Bildung stärken. Im Moment versuchen Auftraggeber verstärkt, den Firmen Fachkräfte abzujagen."

Die Große Koalition will den Breitbandausbau beschleunigen und bis 2025 einen flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen erreichen. "Die versprochene Geschwindigkeit beim Ausbau des schnellen Internets wird sich nicht halten lassen", sagte Burger. Den angekündigten Rechtsanspruch auf ein schnelles Internet bis 2025 halte er für bedenklich. Bis dahin sei ein flächendeckender Ausbau nicht zu schaffen. "Wir als Baufirma würden auch solch einen Vertrag mit einem Rechtsanspruch nicht unterschreiben, da wir die Planungs- und Genehmigungsleistungen vertraglich und terminlich nicht beeinflussen können, um termingerecht ein schnelles Netz zu gewährleisten."

Die Wirtschaft und der Bund der Steuerzahler verlangen mehr Tempo bei der Digitalisierung Deutschlands. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, mahnte weniger Bürokratie beim Ausbau des schnellen Internets an. "Wir müssen beim Netzausbau auch kreativer werden. Sonst kommen wir aus den Engpässen nicht heraus", sagte er. Der Bund der Steuerzahler forderte einen raschen Ausbau der digitalen Verwaltung. Die neue Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, räumte Defizite ein. "Wir waren nicht ehrgeizig genug. Aber das ändert sich jetzt", sagte die CSU-Politikerin.

Bär: "Digital-Weltmeister"

"Ab 2018 gilt: Digitalisierung zuerst", sagte Bär. Deutschland sei Fußball-Weltmeister und Logistik-Weltmeister. "Wir wollen auch Digital-Weltmeister werden! Da werden jetzt wieder viele spotten, aber ich habe das Bedenkenträgertum satt." Für die nahe Zukunft versprach Bär Gratis-WLAN in allen Bundesbehörden und nachgelagerten Behörden.
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