Drogeriemarkt-Gründer Erwin Müller wird 85
Vom Friseur zum Milliardär

Erwin Müller wird 85 Jahre alt. Bild: Stefan Puchner/dpa

Ulm. Erwin Müllers Karriere sei die "schwäbische Variante der typischen amerikanischen Erfolgsstory", liest man in der offiziellen Firmenbroschüre der nach ihm benannten internationalen Drogeriemarkt-Kette. Am Freitag, 8. September, wird der Unternehmer 85 Jahre alt.

Zielstrebig schuf Müller von Ulm aus ein Unternehmen mit laut Firmenangaben heute 757 Filialen in sieben Ländern Europas, 34 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro.

Auch ihm hohen Alter verwalte der Firmengründer sein Lebenswerk mit der ihm eigenen Akribie, ist aus Unternehmenskreisen zu hören. Gelegentlich ist von "Kontrollsucht" die Rede. "Das kann nerven", sagt ein Mitarbeiter der Müller-Zentrale in Ulm-Jungingen, der namentlich nicht genannt werden will. Laut Müllers Selbstdarstellung sind seine Beschäftigten indes durchweg glückliche Arbeitnehmer: "Es ist die menschliche Seite, die unser Unternehmen ausmacht."

Das scheint freilich kaum zu Müllers Abneigung gegen Gewerkschaften und Betriebsräte zu passen - er führte Prozesse, um sie aus seinen Unternehmen raushalten zu können. Auch dass er Steuern hinterzog, kratzte am Lack. 2015 erklärte ein Sprecher: "Herr Müller hat im Jahr 2010 eine Selbstanzeige abgegeben, mit der er die Nachzahlung von Steuern eingeleitet hat." Es ging um einen Teil seines Vermögens, den er bei der Schweizer Bank Sarasin gebunkert hatte.

Für Schlagzeilen sorgten Müllers private Geschäfte mit Sarasin 2017 erneut. Im Mai verurteilte das Landgericht Ulm das Geldhaus zu Schadenersatz für den Drogerie-Milliardär in Höhe von 45 Millionen Euro - für Verluste durch falsche Beratung bei Investitionen in den hochriskanten Luxemburger Sheridan-Fonds.

In Ulm ist Müller eine Legende. Geschätzt wird der Unternehmer auch, weil er ohne viel Aufhebens für soziale Zwecke spendet. Und natürlich haben viele Ulmer die Tellerwäscher-Millionär-Saga parat: 1953 richtete der Friseur in der elterlichen Wohnung im bayerischen Unterfahlheim seinen ersten Salon ein, den er später nach Neu-Ulm verlegte. 1966 kam er auf die Idee, im auch Kosmetik und Drogerieartikel anzubieten. 1969 brachte Müller von einer Reise durch Kanada und die USA die Idee von Drugstores mit Waren des täglichen Bedarfs und von SB-Warenhäusern mit. 1973 eröffnete er in Ulm seinen ersten reinen Drogeriemarkt.
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