07.09.2017 - 16:30 Uhr
Deutschland & Welt

Einstieg in den Ausstieg aus der Flut des billigen Geldes frühestens Ende Oktober EZB spannt Märkte auf die Folter

Die Hoffnung war groß, doch Mario Draghi liefert wieder nicht. Die expansive Geldpolitik der EZB bleibt vorerst unverändert. Der starke Euro bremst die Währungshüter aus.

EZB-Präsident Mario Draghi. Bild: Arne Dedert/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Die europäischen Währungshüter verschieben den Einstieg in den Ausstieg aus der Flut des billigen Geldes auf Ende Oktober. "Wir sind in der Phase, wo wir beginnen darüber nachzudenken, was wir nächstes Jahr tun werden", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. "Wahrscheinlich wird der Großteil der Entscheidungen im Oktober getroffen."

Zunächst behält die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Kurs unverändert bei: Bis mindestens Ende 2017 will die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen stecken. Das gigantische Kaufprogramm läuft seit März 2015, bisher veranschlagtes Volumen: 2,28 Billionen Euro. Entgegen den Erwartungen von Volkswirten ließ sich die EZB sogar weiterhin die Möglichkeit offen, das Volumen der Anleihenkäufe auszuweiten - obwohl das Angebot an Wertpapieren, die die EZB nach ihren eigene Regeln kaufen darf, bald an Grenzen stößt.

Wie erwartet unverändert bleiben die Zinsen: Den Leitzins im Euro-Raum hält die EZB auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank, kostet das die Institute weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen. Dabei nimmt seit Wochen der Druck zu, das Ende des Anti-Krisen-Kurses einzuläuten. Denn die Zeiten einer Inflationsrate nahe Null sind vorerst vorbei und die Konjunktur im Euro-Raum läuft wieder besser. Selbst die EZB traut dem Währungsraum für das laufende Jahr nun ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 2,2 (Juni-Prognose: 1,9) Prozent zu. Für 2018 und 2019 erwartet die EZB unverändert 1,8 beziehungsweise 1,7 Prozent Wachstum in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung.

Sorge bereitet den Währungshütern die jüngste Aufwertung des Euro. "Die aktuelle Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert", sagte Draghi. Seit Jahresanfang hat der Euro vor allem gegenüber dem Dollar aufgewertet. Experten begründen das damit, das die Wirtschaft im Euro-Raum robust wächst, während es in den USA nicht mehr so rund läuft. Dort wurden Hoffnungen auf Steuersenkungen und staatliche Ausgabenprogramme von der Trump-Regierung bisher nicht erfüllt. Das Erstarken des Euro verteuert Produkte europäischer Firmen auf den Weltmärkten tendenziell. Das könnte Exporte und damit das hiesige Wachstum dämpfen. Zugleich werden Importe aus anderen Währungsräumen günstiger, was die Inflation drückt.

Damit wird es für die EZB schwieriger, ihr mittelfristiges Ziel von Preisstabilität bei einer Teuerungsrate knapp unter 2,0 Prozent zu erreichen. Für dieses Jahr erwartet die Notenbank 1,5 Prozent Teuerung. Die Inflationsprognose für 2018 senkte die EZB wegen der jüngsten Wechselkursschwankungen des Euro leicht auf 1,2 Prozent.

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