Entscheidung der Federal Reserve Bank in den USA
Fed reagiert mit Stellen der Leitzins-Schraube

Mitarbeiter handeln an der Börse in New York, im Hintergrund ist Fed-Chefin Janet Yellen im Fernsehen zu sehen. Am Mittwoch erhöhte die US-Zentralbank wie von Experten erwartet den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Die Erhöhung war erst die zweite seit 2006. Archivbild: dpa

Wer Donald Trump im Wahlkampf zuhörte, mag den Eindruck bekommen haben, der wirtschaftliche Zustand der Vereinigten Staaten sei desaströs. Das Gegenteil ist der Fall, wie die Reaktion der Fed zeigt.

Washington. Die größte Volkswirtschaft der Welt läuft weitgehend rund, die Arbeitslosigkeit ist mit einer Quote von 4,6 Prozent im Griff, die Inflation zieht wieder an. Die Notenbank Federal Reserve hat deshalb den Leitzins erhöht. Doch wie geht es weiter im Land von Donald Trump? Die wichtigsten Fragen zur US-Notenbankpolitik:

Warum ist eine Zinserhöhung überhaupt notwendig oder sinnvoll?

Wenn die Finanzmärkte mit billigem Geld überschwemmt werden, kann es zur Bildung gefährlicher Blasen kommen - etwa auf dem Immobilienmarkt. Platzen diesen Blasen, hat das zumeist katastrophale Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Das will die Notenbank verhindern. Sie muss aber auch versuchen, den richtigen Moment zu erwischen. Zieht die Inflation zu stark an, bevor die Zinsschraube weiter angezogen wird, kann es zu spät sein. Ein zu frühes Eingreifen kann aber auch die sich erholende Wirtschaft abwürgen.

Hat die Zentralbank so viel Macht, dass eine kleine Stellschraube eine riesige Volkswirtschaft wie die der USA beeinflusst?

Darüber streiten sich die Experten. Jerry Jordan, früher Chef der Zentralbank des US-Bundessstaates Ohio in Cleveland, bestreitet das. Die Erhöhung des Leitzinses werde keine Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. "Sie stellt lediglich einen Transfer von Steuergeldern hin zu Banken und Großinvestoren dar", sagt Jordan. Tatsächlich bedeutet die Zinserhöhung, dass der Staat mehr Zinsen auf das Geld zahlen muss, das Anleger wie Banken oder Fonds bei ihm gelagert haben.

Welche Auswirkungen sind denn konkret von der Zinserhöhung zu erwarten?

Der ohnehin schon starke Dollar könnte noch stärker werden - etwa im Vergleich zum Euro oder zum japanischen Yen. Das verteuert das Einkaufen in den USA. Das gilt sowohl für Touristen als auch für Firmen, die Produkte amerikanischer Firmen ordern. Andererseits erlaubt es den Firmen in den USA, im Ausland billiger einzukaufen, sofern die Geschäfte nicht in Dollar abgewickelt werden. Das gilt auch für Einkäufe bei deutschen Zulieferern.

Was bedeutet es für das Ausland?

Vor allem Entwicklungsländer, in denen Staatshaushalte und Privatunternehmen hohe Schuldenberge in Dollar halten, könnten Probleme bekommen. Diese Schulden werden - umgerechnet in die jeweilige Landeswährung - durch einen stärker werdenden Dollar plötzlich noch größer. Allerdings hatten diese Länder viel Zeit, sich auf die Situation vorzubereiten. Die jüngste Zinserhöhung in den USA liegt bereits ein Jahr zurück.

Wird Europa nachziehen?

Europa und die Europäische Zentralbank sind noch nicht so weit. Anders als in den USA sind die Voraussetzungen - nämlich ein stabiler Arbeitsmarkt und eine anziehende Inflation - noch nicht überall in der Euro-Zone gegeben. Die EZB hat erst vorige Woche den Geldhahn noch einmal kräftig aufgedreht und weitere milliardenschwere Anleihekäufe angekündigt. Das bedeutet, dass die ultraniedrigen Zinsen in der Euro-Zone noch eine Zeit lang anhalten werden.

Wird die US-Notenbank die Zinsen bald noch weiter erhöhen?

Das ist ein Politikum. Trump hat in die neue US-Regierung eine Reihe von Großinvestoren und Investmentbankern berufen - die dürften eine starke Stimme für weitere Zinserhöhungen erheben. Experten erwarten eine expansive Fiskalpolitik, also eine von politischen Fesseln befreite US-Wirtschaft. Aus der Notenbank selbst kamen am Mittwoch Signale, dass es 2017 drei weitere Zinserhöhungen geben könnte, bisher hatten Experten eher zwei Schritte im Visier.

Was sind Leitzinsen?Über die Veränderung der Leitzinsen, zu denen sich Geschäftsbanken Zentralbankgeld leihen können, wollen Notenbanken das allgemeine Zinsniveau, die Kreditvergabe, die Inflation und teils die gesamtwirtschaftliche Entwicklung beeinflussen. Niedrige Leitzinsen wie derzeit in vielen Staaten weltweit spüren Verbraucher etwa, weil ihr Erspartes bei der Bank kaum verzinst wird und Kredite günstig zu haben sind. Im Euro-Raum fungiert der Hauptrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) als Leitzins, in den USA die Federal Funds Rate der Notenbank Federal Reserve (Fed). (dpa)
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