06.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Erneut weniger Insolvenzen in Deutschland, aber mehr Geld im Feuer Pleitegeier kreist seltener

Seit vier Jahren gehen immer weniger Unternehmen in Deutschland pleite. Denn wenn die Wirtschaft rund läuft, sind die Kassen von Unternehmen besser gefüllt. Und dank der hohen Beschäftigung müssen auch weniger Verbraucher den Gang zum Amtsgericht antreten.

von Agentur DPAProfil

Dank der robusten Konjunktur in Deutschland sind auch im ersten Halbjahr 2014 erneut weniger Unternehmen und Verbraucher in die Pleite gerutscht. Von Januar bis Juni registrierten die Amtsgerichte 12 032 Firmeninsolvenzen und damit 9,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Warten auf 14,6 Milliarden

Zudem traten von Januar bis Juni 56 071 Schuldner den Gang zum Insolvenzrichter an, 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Darunter waren 43 955 Insolvenzanträge von Verbrauchern und damit 3,8 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2013. Zudem durchlaufen 10 120 ehemals Selbstständige (plus 0,8 Prozent) ein Regel-Insolvenzverfahren, beziehungsweise ein vereinfachtes Verfahren. Bei den Unternehmen setzt sich der 2011 begonnene Trend fort: Seit vier Jahren liegen die Insolvenzzahlen unter dem jeweiligen Vorjahreswert. Das letzte Mal im ersten Halbjahr gestiegen sei die Zahl der Firmenpleiten 2010, und zwar um 2,0 Prozent, sagte ein Statistiker.

Allerdings stieg im ersten Halbjahr 2014 der mögliche Schaden: Im Feuer stehen Forderungen der Gläubiger in Höhe von 14,6 Milliarden Euro nach 10,4 Milliarden vor einem Jahr. Dieser Anstieg sei darauf zurückzuführen, dass die Gerichte nun mehr Insolvenzen von wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen registriert hätten als im Vorjahreszeitraum.

Die Konjunkturflaute im zweiten Quartal hat sich damit hier noch nicht bemerkbar gemacht. Allerdings gelten Insolvenzen als nachlaufender Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung, wie ein Statistiker betonte: Wenn die Wirtschaft schlecht läuft, schlägt sich das erst allmählich in den Insolvenzzahlen nieder.

Finanzpolster oft zu dünn

Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) bezeichnete die Lage in der "Gesamtsicht" zwar als "anhaltend erfreulich". "Allerdings darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass zahlreiche Unternehmen ein niedriges oder sogar negatives Eigenkapital ausweisen und in vielen Fällen ihre Rechnungen nicht pünktlich zahlen", sagte der VDI-Vorsitzende Christoph Niering. Etwa 270 000 Unternehmen in Deutschland seien nicht solide finanziert, auch wegen der Niedrigzinsen: "Bei einer abschwächenden Wirtschaft, spätestens aber bei einem Wiederanstieg der Zinsen ist zu befürchten, dass diese Unternehmen nicht in der Lage sein werden, den ansteigenden Finanzbedarf zu tragen."

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