Erwartungen der Bauindustrie wegen des Investitionsstaus in vergangenen Jahrzehnten
"Zu lange zu wenig gebaut"

Hersbruck. "Die längerfristige Entwicklung der Bauwirtschaft sehe ich positiv. Der wichtigste Grund dafür ist der über Jahrzehnte aufgestaute Baubedarf: Wir haben zu lange zu wenig gebaut", sagte Prof. Thomas Bauer, Präsident des Bayerischen Bauindustrieverbandes, beim Unternehmertag in Hersbruck.

Insbesondere die öffentlichen Haushalte seien gefordert: "Wir brauchen 7 Milliarden Euro pro Jahr mehr für die Verkehrsetats bei Bund, Ländern und Kommunen in Deutschland, um die Verkehrsinfrastruktur vernünftig ausbauen zu können." Für das bayerische Fernstraßennetz bedeute das, künftig den Verkehr mehr von der Landeshauptstadt München fernzuhalten, indem die Bundesstraßen in Bayern zu leistungsfähigen Querverbindungen der Autobahnen ausgebaut werden.

Dafür sei hauptsächlich der Bund gefordert. "Wir müssen daher mit weit größerem Nachdruck mehr Bundesmittel für Bayern einfordern. Gemessen an der Fläche Bayerns, an der Bevölkerungszahl und unserer Wirtschaftsleistung ist der bayerische Anteil viel zu niedrig. Der Aufbau der Verkehrsinfrastruktur in Ostdeutschland ist abgeschlossen, jetzt müssen auch wieder die alten Bundesländer einen gerechten Anteil an den Bundesmitteln bekommen." Zusätzlich zu den Mitteln aus den öffentlichen Haushalten müsse künftig mehr Privatkapital für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, auch für das Schienennetz verwendet werden. Die Bayerische Bauindustrie habe dafür das mittlerweile bekannte B-Modell (Bahnbau-Modell) entwickelt, das einen Infrastruktur-Finanzierungsfonds enthalte. "Mit dieser in Deutschland neuartigen Infrastruktur-Finanzierungsanleihe schaffen wir eine langfristig sichere Anlageform. Mit diesen Fondsanteilen kann man vor allem gut für die Rente ansparen", erläuterte Bauer. In anderen Ländern und auch historisch seien solche Finanzierungsformen gang und gäbe. Den Suezkanal und den Panamakanal konnte man nur so bauen. Zur Vermögenssteuer bemerkte Prof. Bauer: Verführerisch sei an der Vermögensteuer, dass sie wegen ihrer geringen Steuersätze harmlos daherzukommen scheint. Aber: 1 Prozent Vermögensteuer bedeutet bei 2 Prozent Ertrag nach Steuer eine Belastung von 50 Prozent des Ertrags. Wenn ein Unternehmen Verluste macht, müsse diese Substanzsteuer dennoch bezahlt werden.
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