15.02.2018 - 20:54 Uhr
Deutschland & Welt

Ex-Daimler-Chef Edzard Reuter wird an diesem Freitag 90 Jahre alt Sozialer Streiter für mehr Anstand

Stuttgart. Sieht und hört man Edzard Reuter heute im Fernsehen, mag es mitunter schwerfallen, sich ihn als einen der mächtigsten Wirtschaftsbosse des Landes vorzustellen. Ein Mann, der mit teils harschen Worten gegen Gier in den Führungsetagen der Unternehmen wettert - und der in den 80er- und 90er-Jahren Vorstandschef der damaligen Daimler-Benz AG war. An diesem Freitag wird Reuter 90 alt. Fast 23 Jahre liegt sein Abschied bei Daimler schon zurück. "Mein ganzes Herzblut hängt an der Entwicklung dieses Unternehmens, für das ich mehr als 35 Jahre lang gearbeitet habe", sagte Reuter der "Stuttgarter Zeitung". Feiern will er nicht, er ist verreist. "Ich habe gewisse Vorbehalte gegen die üblichen Sprüche, die bei solchen Gelegenheiten geklopft werden", hat er der Zeitung gesagt.

Edzard Reuter. Bild: Weissbrod/dpa
von Agentur DPAProfil

Als Vorstandschef hatte Reuter zwischen 1987 und 1995 versucht, Daimler zu einem breiter aufgestellten Technologie-Imperium zu machen. Das brachte ihm viel Aufmerksamkeit, doch am Ende blieb ein Milliardenverlust. Die Reaktionen nach seinem Ausscheiden seien eine schwere, böse Demütigung gewesen, hat Reuter einmal dem "Zeit-Magazin" gesagt. Aber, das habe ihm seine Mutter vermittelt, so etwas müsse man ertragen, wenn man von der Richtigkeit seines Tuns überzeugt sei. Müde, für seine Überzeugungen zu trommeln, ist Reuter, Sohn des Regierenden Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter und seit Jahrzehnten SPD-Mitglied, bis heute nicht. Er ist Buchautor, diskutiert im Fernsehen mit dem Philosophen Richard David Precht über "Markt und Moral".

In den aktuellen Entwicklungen in der Autoindustrie sieht er durchaus Parallelen zu seiner Ära. Und er verteidigt weiter seinen Kurs von einst: "Wenn wir ... konsequent den eigenen Weg weitergegangen wären, dann stünde Daimler heute als unbestrittener Marktführer für moderne Technologie im Automobil da."

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