12.03.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Experten erwarten keine negativen Folgen des Innogy-Deals für Verbraucher und Beschäftigte "Wettbewerb ist groß genug"

Essen. Zwei Riesen auf dem Energiemarkt ordnen ihre Geschäfte neu: Der Stromverkauf an die Kunden soll künftig in die Hand von Eon kommen, während sich RWE auf die Produktion aus konventionellen und erneuerbaren Energien konzentrieren will. Das weckt Befürchtungen, die Preise könnten weiter steigen.

Was wird aus den Mitarbeitern von Innogy? Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
von Agentur DPAProfil

Wie viele Kunden versorgen Eon und Innogy mit Strom und Gas?

Innogy hat in Deutschland 2017 rund 7,8 Millionen Kunden mit Strom und Gas versorgt, etwa 200 000 weniger als im Jahr zuvor. Eon gibt die Zahl seiner Strom- und Gaskunden in Deutschland mit rund 6 Millionen an. In den Zahlen sind aber nicht nur private Abnehmer enthalten. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 41 Millionen Privathaushalte.

Welche Auswirkungen haben die Pläne auf die Verbraucher?

Negative Folgen erwarten Marktbeobachter zunächst nicht. "Die Alternativen und der Wettbewerb sind groß genug", sagt beispielsweise der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding. Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hatte bereits 2017 gesagt, dass im Geschäft mit Standardkunden "kein Anbieter mehr marktbeherrschend ist". Eon hatte schon 2016 weniger Strom an Privat- und kleinere Geschäftskunden abgesetzt. Ein Grund dafür sei der starke Wettbewerb gewesen. Jedoch mahnt der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, mit Blick auf die Preise auch eine genaue Prüfung der Aufteilung an. Das Vergleichsportal Check 24 erwartet vom Deal zwischen Eon und RWE eher keine Nachteile für die Endkunden. Deutschlandweit könnten Verbraucher im Durchschnitt unter 180 Versorgern auswählen, beim Gas seien es im Schnitt 129 Anbieter, sagt Geschäftsführer Oliver Bohr.

Welche Rolle spielen RWE und Eon bei der Stromerzeugung?

Sie ist nicht mehr ganz so mächtig wie einst. Laut Monopolkommission - Beratungsgremium der Bundesregierung - ist der Marktanteil der vier großen Stromproduzenten RWE, Eon, EnBW und Vattenfall von 62 Prozent im Jahr 2014 auf 54 Prozent im Jahr 2016 gesunken. RWE wird nach Einschätzung des Vorsitzenden der Kommission, Achim Wambach, als Anbieter wegen der angestrebten Versorgungssicherheit durch konventionelle und erneuerbare Energie aber an Gewicht gewinnen.

Eon soll die Stromnetze von Innogy übernehmen. Welche Folgen wird das haben?

Stromnetze werden regional als natürliches Monopol bezeichnet, weil ihr Betrieb sich - wie bei vielen anderen Infrastrukturen auch - in der Regel günstiger durch nur einen einzigen Anbieter als durch mehrere gewährleisten lässt. Trotzdem können die jeweiligen Betreiber die Netzentgelte, die mehr als 20 Prozent des Strompreises ausmachen, nicht nach Gutdünken festsetzen. Die Netze werden von der Bundesnetzagentur reguliert. Sie hat die staatlich garantierten Renditen für die Betreiber um gut zwei Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre gekürzt. Dagegen sind rund 1100 Stadtwerke und Netzbetreiber vor Gericht gezogen.

Welche Folgen hat die geplante Zerschlagung von Innogy für die Beschäftigten?

Das ist ebefalls noch nicht absehbar. Innogy hatte Ende des vergangenen Jahres rund 42 500 Mitarbeiter. Davon waren etwa 15 500 im Vertrieb tätig, bei dem es die meisten Überschneidungen mit Eon geben dürfte. Die Gewerkschaften scheinen aber keine allzu großen Befürchtungen vor einem Jobabbau zu haben. Verdi und die IG BCE begrüßten die Pläne von Eon und RWE. Sie könnten "langfristig tarifgebundene Arbeitsplätze erhalten und sichern", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske.

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