EZB hat nachgerechnet
Bank MPS braucht mehr Geld als angenommen

Die angeschlagene Krisenbank Monte dei Paschi di Siena braucht deutlich mehr Geld als bislang angenommen. Nicht erst seit der Neuberechnung durch die EZB ist klar, dass die Bank nur noch durch Staatshilfe zu retten ist.

Siena. Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) braucht deutlich mehr Geld als bisher angenommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe für das Kreditinstitut eine Kapitallücke von 8,8 Milliarden Euro ermittelt. Das teilte die Bank in der Nacht zum Dienstag in Siena mit. Bislang war stets von einem Kapitalbedarf in Höhe von 5 Milliarden Euro die Rede. Schon für diese Summe hatte die Bank keine privaten Geldgeber gefunden, so dass Italiens Regierung in der vergangenen Woche ein Rettungspaket schnüren musste. Das Kabinett schaffte die Voraussetzungen für die Bildung eines Fonds mit Mitteln in Höhe von 20 Milliarden Euro. Das Geld ist dazu gedacht, neben Monte dei Paschi auch andere Krisenbanken im Land zu stützen.

Die neue Berechnung des Finanzbedarfs sei MPS mitgeteilt worden, nachdem das Geldhaus beantragt hatte, von der "vorsorglichen Rekapitalisierung" durch den Staat Gebrauch zu machen. Auch die Liquidität der Bank habe sich zwischen dem 30. November und dem 21. Dezember rasch verschlechtert, hieß es in der Mitteilung.

MPS braucht frisches Geld, um die Verluste bei der Auslagerung fauler Kredite abzudecken. Um Staatshilfe abzuwenden, hatte sie neue Aktien verkauft und Anleihen in Aktien umgetauscht, konnte darüber aber nicht so viel Geld einnehmen wie geplant.

Das Problem in Italien ist, dass viele Kleinanleger ihre Ersparnisse in diese Papiere gesteckt haben. Ministerpräsident Paolo Gentiloni hatte vergangene Woche betonte, dass die Intervention des Staates darauf abziele, die Ersparnisse von Bürgern so weit wie möglich zu schützen und Italiens Bankensektor zu stärken. Am Freitag hatte ein Sprecher der EU-Kommission erklärt, unter gewissen Auflagen sei eine "vorsorgliche Rekapitalisierung" möglich. Die Hilfen müssten von der EU-Kommission genehmigt werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.