14.04.2017 - 20:28 Uhr
Deutschland & Welt

Ferdinand Piëch wird 80 VW-König außer Dienst

Er war einer der großen Wirtschaftslenker in Deutschland, sein Name untrennbar mit Volkswagen verbunden. Doch das ist Vergangenheit. Am Ostermontag wird Ferdinand Piëch 80 Jahre alt.

Ferdinand Piëch. Archivbild: dpa
von Agentur DPAProfil

Wolfsburg. Große öffentliche Feiern sind nicht geplant. Piëch dürfte dazu auch nicht in der Stimmung sein. Denn zu viel ist passiert in den vergangenen zwei Jahren. 2012 war das noch anders. Damals eilte Volkswagen von Rekord zu Rekord. Piëch feierte seinen 75. Geburtstag als Firmenpatriarch mit vielen Gästen in Dresden. Wenig später wurde seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat gewählt, Piëch selbst für fünf weitere Jahre im Amt als Aufsichtsratschef bestätigt. Und quasi als verspätetes Geburtstagsgeschenk übernimmt die VW-Tochter Audi den Motorradhersteller Ducati - ein langgehegter Traum von Piëch.

"Bin nicht gern Zweiter"

Sein Ziel war es immer, Volkswagen zur Nummer eins in der Welt machen - mit allem, was auf Straßen fährt, von Kleinwagen bis zum Laster. "Ich bin nicht gern Zweiter", sagte Piëch einmal in einem Interview. Vor dem Urteil des genialen Konstrukteurs mit Detailliebe zitterten die Ingenieure in Wolfsburg, so gehen die Legenden. Der als autoritär geltende Chef fackelte nicht lange, der Respekt vor ihm war groß. 1999 wählte ihn eine internationale Fachjury zum "Automanager des Jahrhunderts".

Das alles ist Geschichte. Das Verhältnis zwischen Piëch und den Spitzen bei VW und der Dach-Holding Porsche SE ist zerrüttet. Zum Geburtstag allerdings schlägt VW versöhnliche Töne an. "Ferdinand Piëch hat das Automobil, unsere Industrie und den Volkswagen-Konzern in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgeblich geprägt", betont ein VW-Sprecher. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagt: "Ferdinand Piëch war als Vorstandsvorsitzender der richtige Mann zur richtigen Zeit." Er habe sich große Verdienste um den Erhalt Zehntausender Arbeitsplätze erworben. "Das gilt auch, wenn ich mich manchmal über ihn ärgere."

Geboren wird Piëch 1937 in Wien, als Kind des Anwalts Anton Piëch und dessen Frau Louise, Tochter von Ferdinand Porsche, dem Begründer der Dynastie und legendärem Autokonstrukteur. Nach dem Besuch eines Schweizer Internats studiert er Maschinenbau. 1963 beginnt seine Karriere bei Porsche, er wechselt später zur jetzigen VW-Tochter Audi. Dort wird er 1988 Vorstandschef. Der Aufstieg von Audi zum Oberklasse-Anbieter und Innovationstreiber im VW-Konzern ist ohne Piëchs Beteiligung kaum vorstellbar. 1993 übernimmt Piëch als Vorstandschef VW, inmitten einer schweren Krise. Massenentlassungen drohen. Diese wendet der von Piëch eingestellte Personalvorstand Peter Hartz zusammen mit Betriebsrat und Gewerkschaft ab - unter anderem durch die Einführung der Vier-Tage-Woche, die erst Ende 2006 wieder gekippt wurde. Piëch bringt VW wieder auf Kurs - aber auch mit Hilfe des umstrittenen "Kostenkillers" Jose Ignacio Lopez.

Auf Distanz zu Winterkorn

2002 wechselt Piëch an die Spitze des Aufsichtsrats. Von dort aus regiert er VW, doch 2015 kommt es zum Bruch. Auslöser ist eine Aussage Piëchs im "Spiegel": "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" - dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn, seinem "Ziehsohn". Über die Motive wird bis heute gerätselt. Eine Erklärung: Piëch wollte seine 19 Jahre jüngere Ehefrau als Nachfolgerin an der Spitze des Aufsichtsrats durchsetzen, Winterkorn aber wollte damals selbst diesen zentralen Posten. Es halten sich aber auch Gerüchte, Piëch sei höchst unzufrieden mit der Entwicklung von VW in den USA gewesen - auch vor dem Hintergrund der später bekanntgewordenen Diesel-Probleme.

Es folgt ein beispielloser Machtkampf. Eine Allianz aus Land, Betriebsrat und überraschend auch Piëchs Cousin Wolfgang Porsche stützt Winterkorn. Piëch tritt als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Seinen mehr oder weniger erzwungenen Abgang hat Piëch bis heute nicht verwunden, hört man aus seinem Umfeld. Die Familien Porsche und Piëch als Haupteigentümer von VW stehen vor einem Generationswechsel, eine jüngere, digital geprägte Generation kommt nach. Aber kann das riesige VW-Imperium mit mehr als 600 000 Beschäftigten weltweit dauerhaft Bestand haben, ist es überhaupt noch zu führen? "Volkswagen ohne Piëch ist wie Jugoslawien ohne Tito", zitierte kürzlich das "Handelsblatt" einen Insider. Nach dem Tod Titos fiel das Staatengebilde in sich zusammen.

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