17.10.2017 - 20:26 Uhr
Deutschland & Welt

Flugzeugriese schnappt sich Mittelstrecken-Flieger Airbus steigt bei Bombardier ein

Überraschung in der Flugzeugindustrie: Airbus steigt bei der C-Serie des Konkurrenten Bombardier ein und will den Flieger aus der Auftragsflaute steuern. Für die Kanadier ist es der Versuch eines Befreiungsschlags - mitten in einem Handelsstreit mit den USA.

CS100-Flugzeuge stehen in Mirabel (Kanada) in eine Fertigungshalle von Bombardier. Bild: Ryan Remiorz/dpa
von Agentur DPAProfil

Toulouse. Der europäische Flugzeugriese Airbus schnappt sich die junge Mittelstrecken-Baureihe seines angeschlagenen kanadischen Konkurrenten Bombardier. Die Europäer erhalten eine knappe Mehrheit am Programm für die sogenannte C-Serie und erweitern damit ihre Produktpalette im Bereich der kleineren Passagierjets für Mittelstreckenflüge. Bombardier hofft, dass die entwickelte Flugzeugserie dank der globalen Schlagkraft von Airbus endlich aus der Auftragsflaute kommt.

"Das ist genau die richtige Partnerschaft für Bombardier", sagte Konzernchef Alain Bellemare. Airbus-Chef Tom Enders sagte am Dienstag in einer Telefonkonferenz, dies werde das volle Potenzial der C-Serie freisetzen. Die am Montag unterschriebene Vereinbarung kommt kurz nach der Ankündigung der US-Regierung, Strafzölle von bis zu 300 Prozent auf Flugzeuge der C-Serie zu verhängen.

Bombardiers US-Konkurrent Boeing hatte sich zuvor über angebliche Schleuderpreise bei der C-Serie beschwert. Die Endfertigung der Maschinen für den US-Markt soll nun in das Airbus-Werk im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama wandern, was Einfuhrzölle vermeiden könnte. Boeing reagierte verschnupft: "Das sieht nach einem fragwürdigen Deal zwischen zwei massiv staatlich subventionierten Wettbewerbern aus, um die jüngsten Entscheidungen der US-Regierung zu umgehen", teilte der Erzrivale von Airbus mit.

Der europäische Flugzeugbauer erhält 50,01 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen, das die C-Serie baut, und bekommt auch die Mehrheit im Führungsgremium. Airbus muss dafür nicht mal Geld auf den Tisch legen, sondern bringt seine Fähigkeiten bei Marketing, Vertrieb, Einkauf und Kundenservice ein.

Der rote Zahlen schreibende kanadische Konzern steht in den ersten drei Jahren noch für finanzielle Lücken von bis zu 700 Millionen US-Dollar gerade. Zudem werde das Geschäft schuldenfrei übergeben, teilten die Unternehmen mit. Bombardier behält rund 31 Prozent, die Investitionsgesellschaft der kanadischen Provinz Quebec 19 Prozent. Sitz und Hauptfertigung des Gemeinschaftsunternehmens sollen in Kanada bleiben. Mit der Entwicklung der C-Serie war der bis dahin für kleinere Regionaljets bekannte Flugzeugbauer Bombardier ins Revier der Branchenriesen vorgestoßen.

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