Gang aufs Parkett
Siemens Healthineers startet mit Kursgewinnen an der Börse

Bernd Montag (rechts), Vorstandsvorsitzender von Siemens Healthineers, läutete am Freitag die Glocke zum Börsengang des Unternehmens auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse. Neben ihm der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Sen, links Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse. Bild: Fabian Sommer/dpa

Einstand geschafft: Trotz einer technischen Panne ausgerechnet zum Handelsstart für Siemens Healthineers kann sich Konzernchef Kaeser über einen guten Börsenauftakt für die Medizintechnik-Tochter freuen.

Frankfurt. Nach Verzögerungen wegen technischer Probleme hat die Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers am Freitag ein gelungenes Börsendebüt gegeben: Mit 29,10 Euro lag der Einstandskurs um knapp vier Prozent über dem Ausgabepreis von 28 Euro, auch im Tagesverlauf verbuchten die Papiere zunächst Kursgewinne. Der Börsenneuling selbst sprach von einem erfolgreichen Debüt: "Wir sind stolz und freuen uns, diesen wichtigen Meilenstein erreicht zu haben", erklärte Healthineers-Chef Bernd Montag. Die Emission sei mehrfach überzeichnet gewesen, sagte ein Siemens-Sprecher. Allerdings hatte das Unternehmen zuvor leichte Abstriche beim Ausgabepreis der Papiere machen müssen, der in der unteren Hälfte der ursprünglich angepeilten Spanne von 26 bis 31 Euro lag.

Ausgerechnet zu einem der größten Börsengänge in der deutschen Geschichte hatte zuvor eine technische Panne den Börsenhandel in Frankfurt um mehr als eine Stunde lahmgelegt. Wegen Störungen des elektronischen Handelssystems Xetra habe sich der Auftakt verzögert, wie die Deutsche Börse mitteilte. Auch an der Terminbörse Eurex gab es Probleme. Gründe der Panne wurden zunächst nicht genannt.

Healthineers ist unter anderem Weltmarktführer bei bildgebenden Systemen wie Röntgen- und Ultraschallgeräten sowie Magnetresonanztomographen (MRT). Durch den Börsenstart fließen Siemens rund 4,2 Milliarden Euro zu. Siemens-Chef Joe Kaeser will der Tochter mit dem Gang aufs Parkett mehr Chancen auf Wachstum und Zukäufe verschaffen. Außerdem soll Healthineers flexibler und agiler am Markt agieren können und so wettbewerbsfähiger werden.

Siemens hat im Zuge des Börsengangs einen Minderheitsanteil von 15 Prozent der Aktien abgegeben. Der Konzern hatte mehrfach betont, langfristig Mehrheitsaktionär bleiben und die ertragreiche Tochter unterstützen zu wollen. Im vergangenen Geschäftsjahr (per Ende September) kam Siemens Healthineers bei einem Umsatz von 13,8 Milliarden Euro auf ein operatives Ergebnis von knapp 2,5 Milliarden Euro.

Über die technischen Probleme zum Handelsauftakt dürfte die Siemens-Führung zunächst nicht erfreut gewesen sein. Verunsichern wollten sich die Manager davon aber nicht lassen. "Wir konzentrieren uns auf den IPO und freuen uns über die Aufnahme in den Handel", sagte ein Sprecher in München vor dem Start. "IPO" ("Initial Public Offering") steht für Börsengang und die Erstplatzierung einer Aktie. Das Management hatte sich bewusst für einen Börsengang in Frankfurt statt an der Wall Street in New York entschieden, da Frankfurt eines der weltweit größten Wertpapierhandelszentren sei, dessen Bedeutung vor dem Hintergrund des Brexit weiter zunehmen werde, wie Siemens-Vorstand Michael Sen im November erklärte. Mit Ausgliederungen wie der von Siemens Healthineers will Konzernchef Joe Kaeser einzelne Konzerneinheiten selbstständiger und damit agiler und wettbewerbsfähiger machen.

Spotify startet am 3. April an der BörseSpotify, der weltgrößte Musikstreaming-Dienst, hat seinen Börsengang für den 3. April angesetzt. Eine Woche davor soll es noch einmal einen Geschäftsausblick geben, wie das schwedische Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte.

Spotify wählte für den seit langem mit Spannung erwarteten Börsengang den Weg einer Direktplatzierung, bei der Aktionäre einfach ihre Anteilsscheine verkaufen können. Das Unternehmen lässt sich zwar von Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten, beauftragt sie aber nicht wie üblich mit einer Aktienausgabe und dem dazugehörigen Preisbildungsverfahren.

Nach Einschätzung von Analysten könnte es die Firma mit zuletzt mehr als 70 Millionen zahlenden Abonnenten auf einen Börsenwert von rund 20 Milliarden Dollar bringen. Spotify steigerte den Umsatz 2017 zwar um fast 39 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Der Verlust nahm jedoch von 539 Millionen auf 1,24 Milliarden Euro zu. Das geht zwar zu großen Teilen auf den Buchhaltungs-Effekt einer Milliarden-Finanzierung aus dem Jahr 2016 zurück - doch auch der operative Verlust stieg von 349 auf 378 Millionen Euro. Finanzchef Barry McCarthy stellte am Donnerstag klar, dass für Spotify auch weiterhin das Nutzerwachstum vorerst wichtiger sein werde als Rendite. (dpa)
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