01.02.2017 - 17:12 Uhr
Deutschland & Welt

Gewerkschaft IG Metall sorgt sich um Grammer Front gegen feindliche Übernahme

Amberg/München. Der Widerstand gegen die geplante Machtübernahme der umstrittenen Investorenfamilie Hastor bei dem Oberpfälzer Autozulieferer Grammer wächst. Nach dem Vorstand und Aufsichtsrat hat am Mittwoch auch die Gewerkschaft IG Metall entschlossenen Widerstand angekündigt.

Der Grammer-Vorstand (von links) Manfred Pretscher, Hartmut Müller und Gerad Corddonnier. Archivbild: Huber
von Redaktion OnetzProfil

Die Familie Hastor hatte mit einem Lieferstopp ihrer Prevent-Gruppe die VW-Produktion in Emden, Wolfsburg und anderen Werken im vergangenen Sommer zeitweise lahmgelegt. Als neuer Großaktionär bei dem Zulieferer Grammer will sie dort jetzt den Vorstandschef Hartmu Müller ablösen und den Aufsichtsrat rasch mit eigenen Vertrauensleuten besetzen.

Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler sagte am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur: "Einem möglichen feindlichen Übernahmeversuch durch die Hastor Familie werden wir uns als Arbeitnehmer daher vehement widersetzen." Frank Iwer, Autoexperte beim IG-Metall-Vorstand, sagte: "Wir betrachten die jüngst in Deutschland erfolgten Geschäftspraktiken der Hastor-Familie gerade in der Automobilindustrie mit großer Sorge." Die Erfahrungen mit Prevent zeigten deren Bereitschaft, "zugunsten kurzfristiger Gewinne die gesamten Kundenbeziehungen und damit die Zukunft der Arbeitsplätze sowie des Unternehmens insgesamt in Frage zu stellen". Dieses Risiko sehe die Gewerkschaft auch für Grammer, sagte Iwer. Das Amberger Unternehmen stellt Kopfstützen, Sitze und Armaturenbretter für mehrere Autokonzern her und beschäftigt rund 12 000 Mitarbeiter, davon gut 2000 in Amberg. Die IG Metall forderte auch Unterstützung von der Politik. Sie müsse sich klar gegen diese Übernahme aussprechen, sagte Landeschef Wechsler. "Solche Geschäftspraktiken schaden nicht nur dem Unternehmen mit seinen Standorten und Beschäftigten, sondern auch dem Automobilstandort Deutschland", sagte er. Die Industrie sei auf ein stabiles Netzwerk von Autoherstellern und Zulieferern angewiesen.

Die Investoren Cascade und Halog, hinter denen die bosnische Familie Hastor steht, halten zusammen mindestens 20 Prozent der Grammer-Aktien. Sie äußerten sich am Mittwoch nicht zu der Kritik. Grammer-Vorstand und Aufsichtsrat hatten die von Cascade geforderte Kontrollübernahme am Dienstag zurückgewiesen.

Wichtige Kunden verfolgten den Anteilsbesitz der Familie Hastor sehr genau und sähen die Unabhängigkeit der bestehenden Organe als unerlässlich an. Grammer macht fast die Hälfte seines Umsatzes mit VW, Daimler und BMW, beliefert aber auch Lastwagen-, Bus- und Zughersteller weltweit.

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