09.08.2017 - 16:42 Uhr
Oberpfalz

Grammer von Hastor-Abwehrkampf belastet Aufträge weiter schwach

Der Autozulieferer Grammer ist durch den Abwehrkampf gegen den unliebsamen Großinvestor Hastor im zweiten Quartal deutlich belastet worden. Im ersten Halbjahr sehen die Zahlen etwas besser aus. Viel hängt jetzt von künftigen Großaufträgen ab.

Grammer ist durch den Abwehrkampf gegen den unliebsamen Großinvestor Hastor im zweiten Quartal deutlich belastet worden. Im April protestierten Mitarbeiter des Autozulieferers gegen eine drohende Übernahme durch die bosnische Investorenfamilie. Archivbild: Petra Hartl
von Redaktion OnetzProfil

(blu/dpa) Um über 40 Prozent sackte das Ergebnis im zweiten Quartal vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 12,6 Millionen Euro ab, wie das im SDax notierte Unternehmen am Mittwoch in Amberg mitteilte. Unter dem Strich verdiente der Spezialist für Fahrzeugsitze, Mittelkonsolen und Kopfstützen aus der Oberpfalz mit 6 Millionen Euro weniger als halb so viel wie ein Jahr zuvor.

Auch beim Auftragseingang leidet das Unternehmen weiter unter der unklaren Zukunft. Die abwartende Haltung großer Pkw-Hersteller für neue Projekte habe sich auch im zweiten Quartal in einem "unbefriedigenden" Bestellvolumen niedergeschlagen und ziehe sich noch bis in den laufenden dritten Jahresabschnitt. Für die Gesamtentwicklung sei es daher wichtig, dass im zweiten Halbjahr zur Vergabe stehende Großaufträge auch hereingeholt werden könnten, warnte das Unternehmen.

Der Umsatz des Konzerns betrug von April bis Ende Juni 450 Millionen Euro, das waren 3,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Da der harte Abwehrkampf gegen die versuchte Kontrollübernahme durch die Investorengruppe Hastor in das zweite Quartal fiel, sehen die Zahlen für das gesamte erste Halbjahr etwas besser aus. In diesem Zeitraum stieg der Umsatz um 5,5 Prozent auf 908,0 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel in den ersten sechs Monaten um nur knapp 3,6 Prozent auf 35,1 Millionen Euro. Das Konzernergebnis nach Steuern sank von 21,2 Millionen Euro im Vorjahr auf 20,0 Millionen Euro.

Das Segment Automotive ließ im zweiten Quartal deutlich nach. Als Grund nennt das Unternehmen unter anderem die geringere Zahl an Arbeitstagen. Trotzdem steigerte Grammer den Umsatz auf das gesamte Halbjahr gerechnet in der Sparte um 4,2 Prozent. Auch beim Segment Commercial Vehicels gab es einen Umsatzanstieg um 6,7 Prozent.

Im Juli 2017 meldete die JAP Capital Holding einen Anteilsbesitz von mehr als 20 Prozent an Grammer. JAP ist mit dem chinesischen Automobilzulieferer Ningbo Jifeng verbunden. Mit diesem plant Grammer eine strategische Partnerschaft mit Kooperationen im chinesischen Markt. JAP ist laut Grammer-Mitteilung der größte Aktionär und "bildet damit ein starkes Gegengewicht zu den beiden Investmentgesellschaften Halog und Cascade, welche zusammengerechnet ebenfalls eine Beteiligung von rund 20 Prozent an Grammer gemeldet haben". Eine negative Einflussnahme oder ein Kontrollwechsel sei nach Aussagen von Grammer somit "nahezu ausgeschlossen". Der Autozulieferer hat derzeit mehr als 12 000 Mitarbeiter in 19 Ländern.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.