12.09.2017 - 17:22 Uhr
Deutschland & Welt

Große Pläne für BMW, VW und Daimler Autobauer unter Strom

Die E-Auto-Offensive der deutschen Autobauer nimmt deutlich Fahrt auf. BMW zeigt den Tesla-Herausforderer, Volkswagen erhöht die Investitionen massiv und Daimler hat auf der IAA große Pläne mit Smart.

600 Kilometer Reichweite und 200 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit: BMW-Vorstand Klaus Fröhlich präsentiert auf der Internationale Automobil-Ausstellung den neuen BMW i-Vision Dynamics. Bild: Andreas Arnold/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. BMW will dem aufstrebenden US-Elektroauto-Pionier Tesla mit einem viertürigen Elektro-Coupé bald Paroli bieten. Vorstandschef Harald Krüger präsentierte am Dienstag auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt den BMW i-Vision Dynamics mit 600 Kilometern Reichweite und 200 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit. Technikvorstand Klaus Fröhlich erklärte: "Damit ist die E-Mobilität im Kern unserer Marke angekommen. Wir greifen an."

Wann das Fahrzeug in Serie gehen werde, ließ Fröhlich offen. Der BMW i-Vision Dynamics sei zwischen dem Kleinwagen i 3 und dem Roadster i 8 angesiedelt. "Wir werden auch in der E-Mobilität der führende Premium-Anbieter sein", sagte der BMW-Vorstand. Tesla hat 2016 rund 80 000 Elektroautos verkauft und strebt mit seinem soeben auf den Markt gekommenen Modell 3 für nächstes Jahr schon einen Absatz von 500 000 Autos an. Krüger sagte, bis 2025 biete BMW zwölf rein elektrisch angetriebene Modelle an. "Für uns als Konzern hat die E-Mobilität oberste Priorität." BMW zeigte auf der IAA auch eine Studie des Elektro-Minis, der 2019 auf den Markt kommen soll.

Mehr Flexibilität

Mit den E-Autos will BMW ähnlich profitabel bleiben wie mit Diesel- und Benzinfahrzeugen. Aktuell sind sie das noch nicht. "Aber das wird sich ändern. Wir werden bei der Technologie und den Kosten besser", erklärte Krüger. Ab 2020 dürften sich die Gewinnmargen annähern. BMW stehe zu dem Ziel, die Gewinnmarge weiterhin bei 8 bis 10 Prozent vom Umsatz zu halten. Außerdem werde der bayerische Autobauer künftig alle Modellreihen in jedem Werk mit jedem Motor bauen, um flexibel auf Nachfragen reagieren zu können. Von einem Verbot von Verbrennungsmotoren hält Krüger nichts. "Wenn die Infrastruktur nicht da ist, kauft der Kunde kein Elektroauto." Hier sei die Politik am Zug. Für die Klimaziele 2020 sei der Diesel unverzichtbar, betonte der BMW-Chef. "Der Rückgang in Deutschland ist spürbar, das liegt an der politischen Diskussion." Im ersten Halbjahr sei die Nachfrage in Deutschland von 66 auf 61 Prozent gesunken, in Europa von 74 auf 69 Prozent, aber weltweit bei etwa 35 Prozent fast stabil geblieben.

Mehr Ausgaben für VW

Volkswagen erhöht die Investitionen in E-Autos bis 2030 auf 20 Milliarden Euro. "Bis 2025 sind von den Konzernmarken mehr als 80 neue Autos mit Elektromotor geplant, darunter rund 50 reine E-Modelle und 30 Plug-in-Hybride", berichtete VW-Chef Matthias Müller. Grund für die Offensive ist auch die Abgas-Affäre, die VW in eine Krise gestürzt hatte. Nach Müllers Worten soll es bis 2030 für jedes der weltweit rund 300 Modelle des VW-Konzerns mindestens eine elektrifizierte Variante geben. Hintergrund ist eine "Roadmap E" genannte Strategie - laut VW die umfassendste Elektro-Offensive in der Autoindustrie.

Antriebe umstellen

Bislang sind E-Autos teuer. Aber: "Wenn Volkswagen den ID anbietet, wird er nicht teurer sein als ein Diesel", meinte Müller. Doch auch Dieselmotoren hätten Zukunft, bis 2025 soll der Anteil der Verbrenner nach Volkswagen-Schätzung noch 75 Prozent betragen.

Daimler will seine Kleinwagenmarke Smart ganz auf elektrische Antriebe umstellen. Bis 2020 soll es in Europa und Nordamerika nur noch Elektro-Smarts geben, wie Vorstandschef Dieter Zetsche sagte. "Damit wird Smart die erste Automobilmarke, die konsequent vom Verbrenner-Portfolio auf ein reines Elektro-Portfolio umsteigt." Bis 2022 soll das komplette Angebot mit Elektroantrieben zur Verfügung stehen.

Gericht: Hohe Staatshilfen für BMW unzulässig

BMW stehen für die Fertigung von E-Atos in Leipzig nach einem Urteil des EU-Gerichts weniger Fördergelder zu als angemeldet. Statt einer regionalen Investitionsbeihilfe von 45 Millionen Euro dürfe der Staat nur mit 17 Millionen Euro helfen, urteilten die Richter am Dienstag.. Der höhere Betrag sei mit den Regeln des Binnenmarkts unvereinbar. Das Gericht folgte damit der Sichtweise der EU-Kommission, die die angemeldete Beihilfe für BMW in Leipzig 2014 gekappt hatte.Dagegen hatte BMW geklagt, unterstützt vom Land Sachsen. Der Autobauer erwägt nun laut eines Sprechers, beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen das Urteil vorzugehen. "Durch die Kürzung wird BMW für die Ansiedlung eines innovativen Investitionsvorhabens in einer benachteiligten Region bestraft", teilte ein Sprecher mit. (dpa)

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