Gründerzeit am Himmel
Die Drohnen sind los

Die "Volocopter" genannte Passagier-Drohne der Firma e-Volo. Bild: dpa

Vor einem Jahrzehnt tauchten erste Drohnen unterm Weihnachtsbaum auf. Die unbemannten Fluggeräte erschlossen ganz neue Geschäftsfelder. Bald schon sollen sie Passagiere befördern können. Die explosionsartige Vermehrung erfordert aber neue Regeln.

Hannover. Dohnen, kleine ferngesteuerte Fluggeräte in allen Preis- und Leistungsklassen sowie Größen sind ein Dauerbrenner unterm Weihnachtsbaum. Was einst die Modelleisenbahn war, scheint heute der Hightech-Flieger am Himmel zu sein. Weltweit wird ihre Zahl mittlerweile auf mehrere Millionen geschätzt. "Es gibt Schätzungen, wonach die weltweite Wertschöpfung durch Drohnen in den kommenden Jahren auf rund 130 Milliarden Dollar steigen könnte", sagt der Experte Thomas Kriesmann vom Luftfahrtversicherer AGCS.

Drohne mit Passagier

Am Himmel hat eine regelrechte Gründerzeit eingesetzt, die ähnlich wie nach der Erfindung des Automobils bisherige Regelwerke auf den Kopf stellt. Schon bevölkern Prototypen den Himmel, bei denen Passagiere an Bord sitzen. Der Tüftler Alex Zosel aus Karlsruhe etwa hat den "Volocopter" entworfen und sieht damit eine "Revolution in der Mobilität der Menschheit" dämmern. "Wir haben mit einer vorläufigen Verkehrszulassung im März den Erstflug durchgeführt und wollen 2018 mit unserem Volocopter VC200 in die Serienfertigung gehen", sagt die Sprecherin seiner Firma e-Volo, Kathrin Mohr. Rund 250 000 bis 300 000 Euro soll das zweisitzige Fluggerät mit den auf einem kreisförmigen Drehgestell montierten Rotoren einmal kosten.

Einziges Problem: Der Elektroantrieb des Fluggeräts leidet noch unter dem gleichen Problem wie viele E-Autos - der mangelnden Reichweite. Bisher kommt der "Volocopter" auf eine reine Flugzeit von 25 Minuten. Mohr: "Deshalb halten wir uns auch eine Hybrid-Option offen."

Auch Flugzeugbauer wie Airbus denken über solche Konzepte nach. Bis zur Marktreife der auch als Lufttaxi zu nutzenden Geräte dürften aber noch Jahre verstreichen. Hinzu kommen Drohnen-gestützte Geschäftslösungen - etwa in Infrastruktur, Landwirtschaft und Verkehr. Ob Pizza-Lieferung, Luftbild-Aufnahmen, Inspektionen oder Kontrolle von Stränden, Wäldern und Grenzen: Die Einsatzmöglichkeiten scheinen unendlich zu sein. Gleichzeitig boomt der Verkauf von Detektionsanlagen zur Früherkennung der kleinen Flugobjekte. Die Bandbreite reicht von elektronischen Störsendern über regelrechte Bazookas mit Sperrnetzen bis hin zu abgerichteten Adlern, die in sozialen Medien Fantasie und Debatten beflügeln. Denn je mehr Drohnen im Luftraum unterwegs sind, desto stärker steigen die Sicherheitsrisiken - von Kollisionen und Abstürzen bis zu Cyberangriffen und Terrorismus.

Spektakuläre Abstürze

Und auch die Liste spektakulärer Drohnenabstürze wird immer länger. Mitte November etwa krachte eine Drohne im Münchner Olympiapark aus 180 Metern Höhe nur knapp neben einer Familie mit zwei Kindern zu Boden. Im Februar traf eine Drohne das Empire State Building in New York - auch hier gab es wie durch ein Wunder keine Verletzten.

An Vorschlägen für eine Begrenzung der Wildwest-Stimmung am Himmel mangelt es denn nicht. Die Deutsche Flugsicherung will Mobilfunk-Chips obligatorisch machen, die die Positionsdaten der unbemannten kleinen Flieger in die Flugsicherungssysteme einspeisen. Sie geht allein in Deutschland von inzwischen mehr als 400 000 Drohnen aus, die meisten davon in der Hand von Privatnutzern.
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