05.04.2018 - 20:44 Uhr
Deutschland & Welt

Handelsstreit Leisere Töne aus den USA, China kampfbereit

Alles nur ein Pokerspiel? Erst drohen die USA mit hohen Strafzöllen, zeigen sich dann plötzlich gesprächsbereit. China wiederum holt kämpferisch zum Gegenschlag aus. Können die zwei größten Volkswirtschaften zueinander finden?

Mit ihren Strafzöllen nehmen die USA Produkte der chinesischen Hochtechnologie-Industrien ins Visier. China seinerseits würde mit den Vergeltungsmaßnahmen auch Agrarprodukte belasten. Archivbild: Chinatopix/dpa
von Agentur DPAProfil

Peking/Washington. In der Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China gibt es widersprüchliche Signale. Während sich das Weiße Haus überraschend auch verhandlungsbereit zeigte, blieb China kampfbereit. "Die US-Wirtschaft wird einen schweren Schlag hinnehmen müssen, wenn sie den weltgrößten Verbrauchermarkt in China verliert", warnte das Parteiorgan "Volkszeitung" am Donnerstag in einem Kommentar.

Der Streit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften über amerikanische Vorwürfe des Technologiediebstahls durch China war am Vortag offen ausgebrochen. Nachdem die USA 25-prozentige Strafzölle auf Importe aus China in Höhe von 50 Milliarden Dollar angekündigt hatten, konterte China als Vergeltung umgehend mit eigenen Strafabgaben auf Importe aus den USA in gleicher Höhe. Die Eskalation weckte Sorgen über negative Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. Als Reaktion rief China auch formell den Schiedsmechanismus der Welthandelsorganisation (WTO) an, um Konsultationen aufzunehmen. Das Parteiorgan "Volkszeitung" zeigte sich zuversichtlich, dass China auch einen Handelskrieg gewinnen könne.

Da die gegenseitigen Strafabgaben wohl frühestens im Juni in Kraft treten, ist noch Zeit für Verhandlungen. Der oberste Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, sagte auf die Frage, ob die Zölle letztlich gar nicht in Kraft treten könnten: "Ja, das ist möglich. Das gehört zum Prozess." Am Donnerstag sagte Kudlow im Weißen Haus, das Ziel der USA sei Wachstum. "Wenn man die Barrieren herunterfährt und sich an die Regeln hält, sollten beide Seiten profitieren."

Mit ihren Strafzöllen nehmen die USA Produkte der chinesischen Hochtechnologie-Industrien ins Visier. China seinerseits würde mit seinen Vergeltungsmaßnahmen neben der Auto-, Chemie- und Flugzeugindustrie auch den ländlichen Raum in den USA treffen, wo Trump besonders beliebt ist. Neben Sojabohnen zielt Peking auch auf andere Agrarprodukte wie Mais, Weizen und Baumwolle ab.

Im Februar ist das Defizit in der US-Handelsbilanz überraschend deutlich gestiegen. Der Wert legte um 900 Millionen auf 57,6 Milliarden Dollar zu. Das teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Washington mit. Das ist das höchste Defizit seit Oktober 2008. Das hohe Defizit war Trumps Hauptgrund für das Auslösen eines Handelskonflikts.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte auf die Frage, ob und wie sehr den Präsidenten die massiven Auswirkungen des Handelskonflikts an den Börsen bekümmerten: "Es wird eine kurze Phase der Schmerzen geben", aber mittel- und langfristig werde sich Trumps Politik auszahlen. Sanders sagte, man gehe nun durch eine mehrere Monate andauernde Phase der Überprüfung der Zölle, dieser wolle sie nicht vorgreifen. Sie wich aber mehrfach der Frage aus, ob die Zölle in jedem Fall kommen werden. Die USA erwarteten, dass China seine Handelspolitik ändere, sagte Sanders.

Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) sprach sich für eine Verhandlungslösung aus. "Am Ende ist das immer ein Verlust für alle Beteiligten, wenn es zu Handelskonflikten kommt", sagte er. Er forderte gleiche Wettbewerbsbedingungen in China und bemängelte auch den Joint Venture-Zwang in bestimmten Industrien.

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