07.03.2018 - 11:34 Uhr
Deutschland & Welt

Handwerksmesse in München Lehrlingsplus dank Flüchtlingen

Deutschlands Handwerker leiden unter Nachwuchsmangel. Viele würden deswegen gerne mehr Flüchtlinge einstellen. Doch das wird durch bürokratische Hürden erschwert.

Ein Mann hält bei einem Presserundgang auf der Internationalen Handwerksmesse einen aus Holz geschnittenen Schlüsselanhänger mit dem Logo der IHM in der Hand. Bild: Lino Mirgeler/dpa
von Agentur DPAProfil

München. Nach jahrelangem Lehrlingsschwund steigen die Ausbildungszahlen im Handwerk dank junger Flüchtlinge. Nach den bisher vorliegenden Zahlen ist der leichte Anstieg der Lehrverträge 2017 darauf zurückzuführen, dass viele Asylbewerber eine Ausbildung begonnen haben. Nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) jedoch erschweren nach wie vor bürokratische Hürden die Anstellung von Flüchtlingen. "Für die Betriebe ist nur wichtig, dass sie Rechtssicherheit haben. Das ist bis heute nicht in allen Fällen gewährleistet", sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke.

Eine bundesweite Übersicht über die Ausbildungszahlen des vergangenen Jahres gibt es noch nicht. Doch die bisher vorliegenden Daten aus großen Ländern wie Nordrhein-Westfalen und Bayern deuten darauf hin, dass die Flüchtlinge zwar nicht die Lösung für den Nachwuchsmangel sind, zumindest aber wieder etwas mehr Lehrstellen besetzt werden können. Der fehlende Nachwuchs ist ein Thema auf der Internationalen Handwerksmesse in München, die am Mittwoch beginnt. Rund 1000 Aussteller präsentieren bis kommende Woche ihre Neuheiten.

Der Lehrlingsmangel betrifft keineswegs nur das Handwerk. In Bayern etwa wurden nach Zahlen des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) 2017 insgesamt 53 380 neue Lehrverträge in den nichthandwerklichen Branchen abgeschlossen, davon rund 2700 mit Flüchtlingen. Das waren fünf Prozent der neuen Azubis.

Bundesweit liegen bisher lediglich die Zahlen zum Stichtag 30. September 2017 vor, auch diese deuten in die gleiche Richtung: Das Bundesinstitut für Berufsbildung zählte über alle Branchen 2600 Bewerber mehr als im Vorjahr, obwohl die Zahl der Schulabgänger nach wie vor sinkt. Auch das lag an der gestiegenen Zahl von Flüchtlingen. Dennoch können sehr viele Lehrstellen nicht besetzt werden. Laut Bundesinstitut waren zum 30. September knapp 49 000 Lehrstellen frei, so viele wie seit 1994 nicht mehr. Die Handwerker leiden besonders stark. So war in Bayern zum 30. September 2017 nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sogar fast jede fünfte Lehrstelle im Handwerk unbesetzt.

Handwerker und Ausbildungsbetriebe würden daher gern mehr Flüchtlinge einstellen, auch wenn es häufig an den Deutschkenntnissen fehlt oder sonstige Probleme auftauchen. Eigentlich gilt für junge Flüchtlinge die sogenannte 3+2-Regelung: Wer eine Ausbildung beginnt, darf nach seiner dreijährigen Lehre auch dann noch zwei Jahre im Land bleiben und arbeiten, wenn der Asylantrag abgelehnt wird. Doch Kammern und Betriebe klagen, dass das keineswegs überall einheitlich umgesetzt wird. In Bayern etwa macht es die CSU-Staatsregierung jungen Afghanen schwer, eine Lehre anzutreten. "Die Politik fährt keine klare Linie", kritisiert der bayerische Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl. Das findet auch der Bayerische Industrie- und Handelskammertag fordert eine Stichtagsregelung, um den Flüchtlingen, die 2015 und 2016 gekommen sind, eine Ausbildung zu ermöglichen. Doch handelt es sich keineswegs um ein bayerisches Sonderproblem.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sieht die Verhinderung von Diesel-Fahrverboten in Deutschlands Innenstädten als vordringliche Aufgabe. "Ich hoffe erstmal, dass es überhaupt keine Diesel-Fahrverbote gibt", sagte sie am Mittwoch in München zum Auftakt der Handwerksmesse in München. Die neue Bundesregierung werde sich zuerst um dieses Thema kümmern müssen. "Es muss auf jeden Fall eine Lösung geben, die jenseits der Tatsache liegt, dass die Menschen, insbesondere die Unternehmer, die Handwerker, der Mittelstand, ihre Autos verlieren." Da die allermeisten Handwerker Diesel fahren, fürchtet der ZDH gravierende Auswirkungen von Fahrverboten auf die Branche - von finanziellen Verlusten bis zu gelähmten Baustellen. Der Verband fordert von den Autoherstellern, die Kosten für eine Nachrüstung der Motoren zu übernehmen. Zypries gab mit ihrer Aussage dem designierten Nachfolger Peter Altmaier (CDU) eine Aufgabe vor. Altmaier soll das Wirtschaftsressort in der neuen Bundesregierung übernehmen.

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