Hans Tietmeyer stirbt im Alter von 85 Jahren
Der letze Präsident der Bundesbank

Hans Tietmeyer. Archivbild: dpa

Frankfurt. Im Alter von 85 Jahren ist am Dienstag der frühere Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, gestorben. Das teilte die Notenbank am Mittwoch in Frankfurt mit.

Der Diplom-Volkswirt stand vom 1. Oktober 1993 bis 31. August 1999 an der Spitze des Instituts. Er war der letzte Bundesbank-Chef mit der ganzen Machtfülle der Mark - und der erste, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sein Gewicht für Deutschland in die Waagschale warf. Lange bevor hoch verschuldete Staaten und klamme Banken die Gemeinschaftswährung an den Rand des Scheiterns brachten, mahnte der knorrige Westfale solide Staatsfinanzen, grundlegende Reformen und eine engere politische Union an. "Die Geldpolitik kann den anderen Politikbereichen - weder der Finanz- noch der Sozial- und Lohnpolitik - ihre Aufgaben nicht abnehmen", warnte er bereits 1998.

Als CDU-Mitglied verfasste Tietmeyer 1982 für den damaligen FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff das "Lambsdorff-Papier", das den Bruch der sozialliberalen Regierung und den Sturz von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) einleitete. Tietmeyer begann seine Karriere 1962 als Beamter im Bonner Wirtschaftsministerium. Zwanzig Jahre später wechselte er als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium. Als persönlicher Beauftragter bereitete er für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die internationalen Wirtschaftsgipfel vor. Aber er scheute auch keinen Konflikt mit der Regierung und kritisierte merhfach wirtschaftspolitische Entscheidungen. So bezeichnete er die Währungsumstellung in der DDR 1990 im Verhältnis 1:1 als großen Fehler. Die terroristische RAF scheiterte 1988 mit einem Anschlag auf ihn. Nach seiner Zeit in Frankfurt saß Tietmeyer in zahlreichen Gremien und Aufsichtsräten.
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