02.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Höchster Überschuss seit dem Jahr 2000 - Wermutstropfen: Bruttoinlandsprodukt sinkt Lautes Klingeln in der Staatskasse

Die öffentlichen Kassen in Deutschland sind voll wie lange nicht: Vor allem dank des robusten Arbeitsmarkts hat der deutschen Staat im ersten Halbjahr 2014 einen Überschuss von 16,1 Milliarden Euro erzielt - das dickste Plus seit dem zweiten Halbjahr 2000.

Foto aus HUP-Import
von Agentur DPAProfil

Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, schlossen die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung das Halbjahr nach vorläufigen Ergebnissen mit einer Überschussquote von 1,1 Prozent der Wirtschaftsleistung ab. Auch das ist der höchste Wert seit 2000, betonte ein Statistiker.

Besonders der Bund profitierte von sprudelnden Steuereinnahmen dank der sehr günstigen Beschäftigungs-situation. Zudem schüttete die Bundesbank 4,6 Milliarden Euro aus - nach nur 600 Millionen im ersten Halbjahr 2013. Mit einem Überschuss von 4,0 Milliarden Euro gelang es dem Bund erstmals seit 1991, in der ersten Hälfte eines Jahres ein positives Ergebnis zu erzielen.

Auch wenn der Arbeitsmarkt weiterhin brummt: Im zweiten Quartal haben die Krisen rund um den Globus die deutsche Wirtschaft gebremst. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von April bis Ende Juni 2014 im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent. Das Statistische Bundesamt bestätigte damit am Montag vorläufige Berechnungen. Für die größte europäische Volkswirtschaft ist dies der erste Rückschlag seit Anfang 2013, als das BIP um 0,4 Prozent schrumpfte.

Plus bei Gemeinden

Neben dem Bund erwirtschafteten auch Gemeinden und Sozialversicherungen von Januar bis Juni ein Plus. Der Überschuss der Gemeinden belief sich auf 5,3 Milliarden Euro, die Sozialversicherungen nahmen 7,1 Milliarden Euro mehr ein, als sie ausgaben. Die Länder verfehlten mit einem Defizit von 0,2 Milliarden Euro nur knapp einen ausgeglichenen Haushalt.

Maastricht-Marke ist weit

Mit dem satten gesamtstaatlichen Plus ist Deutschland derzeit weit von der Defizit-Marke von 3,0 Prozent des BIP entfernt, die der Maastricht-Vertrag maximal erlaubt. 2013 hatten öffentlichen Kassen in Deutschland nach der neuen Berechnungsmethode einen Überschuss von 0,3 Prozent des BIP erwirtschaftet.

Im Frühjahr belebte allein der Konsum die Wirtschaft. Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben (jeweils plus 0,1 Prozent) waren höher als im ersten Quartal 2014. Hingegen gingen die Investitionen zurück: In Ausrüstungen wie Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge wurde 0,4 Prozent weniger investiert als im Vorquartal, die Bauinvestitionen sanken deutlich um 4,2 Prozent. Die Statistiker begründeten dies mit Vorzieheffekten im ersten Quartal wegen des ungewöhnlich milden Winters. Auch der Außenhandel bremste die Konjunktur, weil die Importe schneller stiegen als die Exporte.

Dank des starken Jahresauftakts ergibt sich für das erste Halbjahr insgesamt preis-, saison- und kalenderbereinigt ein BIP-Plus von 0,8 Prozent gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2013. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Wirtschaft kalenderbereinigt um 1,2 Prozent.

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