Ifo-Geschäftsklimaindex
Noch spürt deutsche Wirtschaft Rückenwind

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Bild: dpa

In den deutschen Unternehmen herrscht Sektlaune. Ob Industrie, Handel oder Bau - in den vom Ifo-Institut befragten Betrieben läuft es glänzend. Auch der Ausblick ist besser geworden - allerdings lauern auch große Risiken.

München/Berlin. Die deutsche Wirtschaft hat Grund zum Feiern: Die Ifo-Institut (München) befragten Unternehmen schätzen ihre Geschäftslage im Dezember so gut ein wie seit fünf Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex - das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer - stieg um 0,6 auf 111,0 Punkte. Die Bundesbank schrieb in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht: "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem soliden Aufschwung." Hauptstütze sei der Binnenmarkt, der von der hohen Beschäftigung und steigenden Einkommen profitiere.

"Jahresendspurt"

Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte in München: "Die deutsche Wirtschaft legt einen Jahresendspurt hin." Die Industriebetriebe schätzten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Geschäftsaussichten besser ein. Nachfrage und Auftragsbestand zögen merklich an. "Dementsprechend wollen mehr Unternehmen die Produktion in den kommenden Monaten anheben." Im Einzelhandel bleibt das Niveau unverändert hoch. Im Großhandel hat sich das Geschäftsklima auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren verbessert. Das Baugewerbe boomt weiterhin. Nur im Dienstleistungssektor - der nicht in die Berechnung des Geschäftsklimas eingeht - war ein Stimmungsrückgang zu verzeichnen.

Die rund 7000 vom Ifo-Institut befragten Unternehmen schätzten ihre aktuelle Lage im Dezember deutlich besser ein: Der Teilindex stieg um 1,0 auf 116,6 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Februar 2012. Für das kommende halbe Jahr zeigten sich die Firmen etwas optimistischer - dieser Teilindex kletterte um 0,1 auf 105,6 Punkte. Für das kommende Jahr rechnet das Ifo-Institut mit 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland, die Bundesbank sogar mit 1,8 Prozent.

Politische Risiken

Allerdings verweisen Volkswirte auf große Unwägbarkeiten und Risiken: Der Kurs des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist noch unklar, der Brexit steht bevor, und in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien stehen Wahlen an, wie KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner sagte. Stefan Kipar von der Bayern-LB schrieb, trotz höherer Ölpreise starte die Konjunktur mit Rückenwind ins neue Jahr. Aber die kaum verbesserten Geschäftserwartungen deuteten "darauf hin, dass die derzeitige Konjunktureuphorie möglicherweise nicht nachhaltig ist". Aus der Politik drohe mehr Unsicherheit.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel warnte am Montag vor überzogenen Versprechen im Wahlkampf. "Die gute Haushaltslage hat ja einen extrem schwindsüchtigen Grund, nämlich sehr niedrige Zinsen. Jährlich sparen wir derzeit 20 Milliarden Euro, das kann sich schnell ändern", sagte der Vizekanzler in Berlin. Daher wäre es fahrlässig, in großem Umfang Steuersenkungen zu versprechen. Der Minister mahnte noch mehr Investitionen an, insbesondere in Forschung und Entwicklung. Zugleich pochte er unter anderem auf einen schnelleren Ausbau von Gigabitnetzen und eine raschere Sanierung der klassischen Infrastruktur.
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