Im zweiten Quartal in Deutschland Rückgang des Inlandsprodukts
Krisen bremsen Wirtschaft

Weltweite Krisen bremsen Europas Konjunkturlokomotive Deutschland vorerst aus. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft in der größten europäischen Volkswirtschaft erstmals seit Anfang 2013. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit.

Auch die anderen beiden großen Euro-Volkswirtschaften Frankreich und Italien schwächelten im Zeitraum April bis Juni. So stagnierte die Wirtschaft in Frankreich das zweite Quartal in Folge, Italien rutschte mit einem Minus von 0,2 Prozent in eine leichte Rezession. Die Wirtschaft in den krisengebeutelten Ländern Spanien und Portugal zog im zweiten Quartal 2014 hingegen deutlich an. Das Plus lag jeweils bei 0,6 Prozent. Ein Sprecher der EU-Kommission führte dies auf die "kühnen Reformen" zurück, die beide Länder in den vergangenen Jahren verfolgt hätten. Unter dem Strich stagnierte die Wirtschaftsleistung der 18 Länder in der Euro-Zone, wie aus Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervorgeht.

Nach einem rasanten Jahresstart erhielt die deutsche Konjunktur den von vielen Volkswirten erwarteten Dämpfer im zweiten Vierteljahr. Er fiel etwas stärker aus als von den Experten prognostiziert.

"Die geopolitischen Risiken im Osten Europas und im Nahen Osten sowie eine schwächere Entwicklung im Euro-Raum haben vorübergehende Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen", analysierte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Die Exporte stiegen nach Angaben des Bundesamtes im Vorquartalsvergleich weniger stark als die Importe, daher wirkte sich der wichtige Außenbeitrag - Ausfuhren minus Einfuhren - negativ auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung aus. Zudem fiel die sonst übliche Frühjahrsbelebung nach dem außergewöhnlich starken Jahresauftakt schwächer aus. Der Konsum entwickelte sich weiter positiv.

Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bleiben die Risiken für die Konjunktur allerdings immens. "Insbesondere erhöhte geopolitische Risiken sowie die Entwicklung in den Schwellenländern und an den globalen Finanzmärkten könnten die Konjunkturlage negativ beeinflussen", schreiben die Währungshüter in ihrem Monatsbericht. Denkbar seien Auswirkungen auf die Energiepreise und die weltweite Nachfrage nach Erzeugnissen aus den 18 Euro-Ländern.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.