13.09.2017 - 20:18 Uhr
Deutschland & Welt

Internationale Automobilausstellungzwischen Energiewende und SUV "Schizophrene Veranstaltung"

Frankfurt. Die IAA ist aus Sicht des Branchenexperten Stefan Bratzel eine "Messe des Übergangs". Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung werde die alte und neue Welt der Mobilität gezeigt, sagte der Leiter des CAM-Instituts am Mittwoch in Frankfurt. "Erstere soll letztere finanzieren." Die Autobauer hatten zum IAA-Auftakt am Dienstag eine Offensive bei Elektroautos angekündigt und versuchen damit, die Diesel-Krise hinter sich zu lassen.

von Agentur DPAProfil

Zuletzt war der Druck auf die Branche gestiegen, umweltfreundlicher zu werden. Bratzel mahnte: "Den durchaus angemessenen Worten vieler Protagonisten müssen bald Taten folgen. Daran wird man die Hersteller messen." Neben E-Autos sind an den Messeständen in diesem Jahr vor allem viele SUV zu sehen. Das Segment boomt, mit den Stadtgeländewagen verdient die Branche viel Geld. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat die Autohersteller und ihren Auftritt auf der Branchenmesse IAA kritisiert. VCD-Experte Gerd Lottsiepen sprach von einer "schizophrenen" Veranstaltung. Zwar hätten die Autobauer zahlreiche neue E-Autos angekündigt. Die Realität aber sei eine andere. An den Ständen seien SUV und Sportwagen die eigentlichen Stars. Dies sei "purer Anachronismus", sagte Lottsiepen.

Mit Blick auf die angekündigten Milliarden-Investitionen der Hersteller in die Elektromobilität meinte er: "Sie denken, aber sie denken nicht konsequent genug." Die Autobauer hätten in den vergangenen Jahren viel Geld mit Verbrennungsmotoren verdient. Notwendig sei nun aber ein Kurswechsel. "Das Image ist unten", sagte Lottsiepen. Der Chef des Autozulieferers Bosch, Volkmar Denner, forderte unterdessen mehr Offenheit in der Debatte um die Antriebstechnik der Zukunft.

"Wir brauchen wieder diese differenzierte Diskussion, diese Offenheit bezüglich unterschiedlicher Lösungspfade", sagte Denner bei der IAA. "Harte Ziele setzen, aber die Wege zum Ziel offenlassen." Die Debatte dürfe nicht einseitig auf die Elektromobilität verengt werden. Es gebe durchaus eine Zukunft für den Verbrennungsmotor.

Denner setzt mit Bosch insbesondere auch darauf, die Entwicklung umweltfreundlicherer synthetischer Kraftstoffe voranzubringen. Diese könnten eine große Bedeutung haben für die Mobilität der Zukunft, unter anderem weil die bestehende Infrastruktur weiter genutzt und per Beimischung zum herkömmlichen Kraftstoff sofort ein Effekt erzielt werden könne. "Für's Klima ist nur die Gesamt-CO2-Bilanz relevant." Und die hänge bei einem Elektrofahrzeug eben auch von der Produktion der Batterien und des Stroms ab, so Denner.

Vorteile habe das Elektrofahrzeug noch bei der Luftqualität in den Städten. Er sei aber überzeugt, dass es gelingen werde, Verbrenner mit vernachlässigbaren Emissionen zu entwickeln.

Wir brauchen wieder diese differenzierte Diskussion, diese Offenheit bezüglich unterschiedlicher LösungspfadeBosch-Konzernchef Volkmar Denner
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