Josef Ackermann wird 70
"Habe gut aufgestellte Bank übergeben"

Zehn Jahre lang führte Josef Ackermann die Deutsche Bank. Archivbild: Andreas Gebert/dpa

Die Deutsche Bank kehrt zehn Jahre nach der Finanzkrise noch immer die Scherben zusammen. Hat der langjährige Konzernchef Ackermann das Haus 2012 doch nicht so "besenrein" verlassen, wie er zu seinem Abschied bekundet hatte? Zu seinem 70. Geburtstag zieht der Schweizer Bilanz.

Frankfurt. Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann blickt zufrieden auf seine zehn Jahre an der Spitze des größten deutschen Geldhauses zurück. "Ich bin darauf und auf die Leistung meines Teams sehr stolz. Die Deutsche Bank hat damals geschafft, was viele andere vergeblich versucht haben, und ist binnen weniger Jahre in die Topliga der internationalen Banken aufgestiegen", sagte Ackermann anlässlich seines 70. Geburtstages an diesem Mittwoch in Frankfurt. "Gewiss waren auch wir nicht ohne Fehl und Tadel und haben Fehler gemacht - welcher Mensch macht keine? - aber diese hielten sich vergleichsweise doch sehr in Grenzen", bilanzierte der Schweizer, der den Dax-Konzern bis Ende Mai 2012 geführt hatte.

"Ich habe seinerzeit eine Bank an meine Nachfolger übergeben, die für die Zukunft gut aufgestellt war", betonte Ackermann. "Die Bank erwirtschaftete nach der Finanzkrise erneut stattliche Gewinne in Milliardenhöhe." Risiken seien "massiv verringert" und "erhebliche Abschreibungen" auf Altlasten vorgenommen worden. Die stabilen Geschäftsfelder seien mit dem Kauf der Postbank gestärkt und die Anreizsysteme in der Bank "auf Nachhaltigkeit ausgerichtet" worden. "Kurz, wir haben alles zeitnah korrigiert, was als korrekturbedürftig erkennbar war", sagte Ackermann. "Welche Rechtskosten später noch auf die Bank zukommen würden, war bei meinem Ausscheiden noch nicht absehbar. Aber unabhängig davon standen diese einer guten Zukunft nicht im Wege." Der amtierende Konzernchef John Cryan hatte im Sommer 2017 moniert, die Deutsche Bank habe nach der Finanzkrise 2007/2008 später als Wettbewerber begonnen, Probleme zu beheben: "Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten."

Dass der Vorstand unter seiner Ägide das ehrgeizige Ziel einer Eigenkapital-Rendite von 25 Prozent vor Steuern ausgab, hält Ackermann auch rückblickend nicht für einen Fehler: "Ganz im Gegenteil, es war für die finanzielle Gesundheit der Bank unabdingbar. Nur eine Bank, die gut verdient, kann auch die Risiken tragen, die das Geschäft zwangsläufig mit sich bringt. Bei unseren Wettbewerbern lag die Messlatte schon längst so hoch."

Geboren wurde Josef Ackermann am 7. Februar 1948 in Mels im Kanton St. Gallen. Von seinem Vater Karl, einem Arzt und Börsenfan, lässt er sich begeistern und so studiert er nach Gymnasium und Militärdienst Wirtschaftswissenschaft in St. Gallen. Von 1977 an arbeitet er für die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) - die heutige Credit Suisse. 1996 holt ihn Hilmar Kopper zur Deutschen Bank, dort steigt Ackermann schnell zum obersten Investmentbanker und 2002 zum Konzernchef auf.

Privat in Zürich verwurzelt, setzt Ackermann mit seiner finnischen Frau Pirkko, die er 1977 heiratete, heute andere Schwerpunkte. "Ich reise gerne und kann mir dabei jetzt öfter die Zeit nehmen, zu verweilen. Ich lese Vieles, wozu ich früher nicht gekommen bin, besuche mit meiner Frau Konzerte und Kunstausstellungen, wandere mit Freunden in den Bergen und spiele etwas Golf." Das Band in die Deutsche Bank hinein hat der Schweizer nicht ganz gekappt - auch wenn er im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern kein Büro in der Frankfurter Innenstadt hat.
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