24.01.2018 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Kanzlerin in Davos: Angela Merkel gegen Abschottung

Zwei Jahre hatte sie den großen Auftritt in Davos gescheut. Nun wirbt die deutsche Bundeskanzlerin beim Weltwirtschaftsforum für gemeinsame Lösungen der Weltkrisen. Alleingänge und Isolation würden die Probleme nur verschärfen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht am Mittwoch in Davos beim 48. Weltwirtschaftsforum. Bild: Laurent Gillieron/dpa
von Agentur DPAProfil

Davos. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eindringlich vor Protektionismus und Abschottung gewarnt und ein Plädoyer für eine umfassende internationale Zusammenarbeit gehalten. "Deutschland will ein Land sein, das auch in Zukunft seinen Beitrag leistet, um gemeinsam in der Welt die Probleme der Zukunft zu lösen", sagte Merkel am Mittwoch vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Ohne US-Präsident Donald Trump zu erwähnen, der am Freitag in Davos spricht, sagte Merkel: "Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiterführt. Wir glauben, dass wir kooperieren müssen, dass Protektionismus nicht die richtige Antwort ist." Wenn man der Meinung sei, dass die Dinge nicht fair zugingen, müssten multilaterale und nicht unilaterale Lösungen gesucht werden. Angesichts der Katastrophen des 20 Jahrhunderts mit den beiden Weltkriegen fragte Merkel: "Haben wir nun wirklich gelernt aus der Geschichte, oder haben wir es nicht?".

Merkel sprach sich für ein entschlossenes Vorgehen gegen den Rechtspopulismus aus. Der sei "ein Gift" für die Gesellschaft, das aus ungelösten Problemen entstehe. In der Flüchtlings- und Migrationskrise nach 2015 hätten zudem viele Menschen befürchtet, ihnen werde etwas weggenommen. "Wenn das zusammenkommt mit einer wirtschaftlichen Schwäche und einer hohen Arbeitslosigkeit, dann ist die Gefahr einfach sehr groß, dass daraus eben diese Kraft entstehen kann, die sagt: Nur noch wir selbst."

Eine konkrete Antwort auf die Vorschläge des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für eine Reform der EU gab Merkel auch diesmal nicht. Macron habe zusätzlichen Schwung in die EU gebracht. "Das wird uns stärken", sagte sie. Dringlich sei der Ausbau des digitalen Binnenmarkts und eine Angleichung der Wettbewerbsfähigkeit unter den EU-Ländern. Aus dem Rettungsfonds ESM sollte ein Europäischer Währungsfonds werden, ohne auf die Kompetenz des Internationalen Währungsfonds IWF zu verzichten. Europa müsse lernen, Antworten auf die großen Fragen zu finden.

Trotz der Ankündigung neuer US-Strafzölle hat unterdessen die chinesische Führung in Davos angekündigt, weiter für offene Märkte und Globalisierung einzutreten. "Wir werden uns auf ganzer Breite der Welt weiter öffnen", sagte Liu He, der wichtigste Wirtschaftsberater von Präsident Xi Jinping, am Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsforum. China werde Handelsbeziehungen vertiefen, Barrieren abbauen und Reformen der Wirtschaft vorantreiben. US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross verteidigte die jüngsten US-Strafzölle auf Waschmaschinen und Solarpaneele. "Handelskriege werden jeden Tag ausgefochten. Jeden Tag verletzen verschiedene Parteien die Regeln und ziehen einen unerlaubten Vorteil daraus", sagte Ross vor Journalisten am Rande des Weltwirtschaftsforums. "Jetzt besetzen die US-Truppen ihre Verteidigungsmauern."

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