24.07.2017 - 21:20 Uhr
Deutschland & Welt

Kartellvorwürfe gegen Autobauer: Aktienkurse sinken erneut

Haben deutsche Autobauer jahrzehntelang heimlich Absprachen getroffen? Die Börse nimmt den Kartellverdacht ernst, die Kurse sinken. Die Wettbewerbshüter in Brüssel sollen jetzt Licht in die Sache bringen.

Ein VW-Logo steht auf dem Dach des Volkswagen-Werks Salzgitter. Bild: Silas Stein/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Nach den Kartellvorwürfen gegen die deutsche Autoindustrie übernehmen die Wettbewerbshüter der EU-Kommission die Federführung bei der Aufklärung. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mit. Die Untersuchung sei aber komplex und langwierig. "Wenn die EU-Kommission einen begründeten Verdacht entwickelt, schickt sie den Unternehmen die konkreten Vorwürfe zu", sagte ein Sprecher in Brüssel. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnte vor Vorverurteilungen.

Der weltweit größte Autobauer Volkswagen rief seine Aufsichtsräte zu einer Sondersitzung am Mittwoch zusammen. Das Bundeskartellamt erklärte, es führe kein Verfahren. Die Autobranche steht bereits wegen der VW-Abgasaffäre und zu hoher Diesel-Emissionen unter Druck - bei den nun in Rede stehenden Kartellverstößen könnten Milliardenstrafen drohen. Das belastete die Aktienkurse: VW, Daimler und BMW verloren am Montag erneut zwischen ein und drei Prozent - ähnlich wie nach Veröffentlichung der Vorwürfe.

Der "Spiegel" hatte am Freitag über ein seit mehr als 20 Jahren bestehendes Kartell deutscher Autobauer berichtet. Vertreter von VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler hätten sich über Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer und auch die Reinigung von Diesel-Abgasen abgesprochen. Danach sollen sie sich auch verständigt haben, kleinere, billigere Tanks für Harnstoff (AdBlue) einzubauen, der gefährliche Stickoxide in die harmlosen Bestandteile Wasser und Stickstoff aufspaltet. Vor einem Jahr sollen der Volkswagen-Konzern und Daimler Selbstanzeigen bei den Wettbewerbsbehörden erstattet haben. Die stellvertretende Geschäftsführerin von Transparency International Deutschland, Sylvia Schwab, sagte: "Grundsätzlich ist es ja üblich, dass sich Unternehmen in Verbänden zusammensetzen und gemeinsame Interessen und Vorhaben besprechen." Problematisch werde es erst, wenn das den technischen Fortschritt behindere, nicht fair und transparent zugehe und den Kunden schade. Laut VDA prüfen die Behörden jetzt, "ob und in welchem Umfang die Abstimmung zwischen den Herstellern rechtlich zulässig war oder nicht". Schon das Ausnutzen von Grauzonen wäre inakzeptabel. Aber "der Stand des Verfahrens legt es gleichzeitig nahe, mit Vorverurteilungen zurückhaltend umzugehen. Standardisierungs- und Normierungsaktivitäten sind pauschal weder schädlich noch illegal."

Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf eine Zusammenarbeit zwischen dem VW-Konzern und der damaligen Militärdiktatur in Brasilien. Volkswagen do Brasil habe Mitarbeiter ausspioniert, ergaben Recherchen von NDR, SWR und "Süddeutscher Zeitung". Die Informationen seien an die Machthaber gegangen. Mindestens sechs VW-Leute seine allein im Sommer 1972 verhaftet worden. Einige sollen gefoltert worden sein. Bereits im Herbst 2015 war von Opfern in Brasilien gegen VW Anzeige erstattet worden.

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