08.06.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Keine Erhöhung des Leitzinses EZB hält still

Wann geht die EZB vom Gaspedal? Die Hoffnung auf erste Signale für einen Einstieg in den Ausstieg sind groß. Weitere Zinssenkungen sind vorerst vom Tisch.

von Agentur DPAProfil

Frankfurt/Tallinn. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt auf Billig-Geld-Kurs - trotz verbesserter Konjunktur und tendenziell steigender Inflation. Die Notenbank hält den Leitzins im Euro-Raum auf dem Rekordtief von null Prozent und flutet die Märkte noch bis mindestens Ende 2017 über Anleihenkäufe mit Milliarden. Diesen Kurs bekräftigte der EZB-Rat am Donnerstag bei seiner auswärtigen Sitzung in der estnischen Hauptstadt Tallinn, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Europas Währungshüter nährten aber die Hoffnung auf ein Ende der gerade in Deutschland kritisierten ultralockeren Geldpolitik. Erstmals seit langem verzichtete die EZB auf den Hinweis auf mögliche weitere Zinssenkungen. Der Rat gehe davon aus, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau liegen dürften. Der bislang übliche Zusatz "oder auf einem niedrigeren Niveau" entfiel.

Volkswirte werten dies als erstes vorsichtiges Signal für einen Einstieg der Notenbank in den Ausstieg aus dem geldpolitischen Anti-Krisen-Kurs. Noch jedoch gibt es im Kreis der Währungshüter Skepsis, ob der Aufwärtstrend von Dauer ist. EZB-Präsident Mario Draghi hatte in den vergangenen Wochen wiederholt betont, er sehe noch keinen Anlass für eine Änderung des seit Jahren andauernden Anti-Krisen-Kurses: "Wir bleiben fest davon überzeugt, dass ein außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung ... immer noch nötig ist." EZB-Vize Vítor Constâncio warnte: "Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Anreize nicht vorschnell zurückfahren."

Kritik am EZB-Kurs kommt vor allem aus wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland. Sparer bekommen kaum Zinsen, Banken tun sich mit dem Geldverdienen schwer. Allerdings profitieren Kreditnehmer von Konditionen. Vorerst bekommen Banken Zentralbankgeld weiterhin zu null Prozent Zinsen. Parken Finanzinstitute überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Ökonomen rechnen damit, dass die EZB schrittweise erst das Anleihenkaufprogramm zurückfahren wird und anschließend - womöglich erst 2019 - die Zinsen allmählich wieder anheben wird.

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