14.09.2017 - 22:30 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur AOK-Fehlzeitenstudie Wenn die Seele die Reißleine zieht

Es ist vielleicht der deutscheste aller Sätze: Ich kann nicht krank sein, ich muss arbeiten. Diejenigen, die es auf Dauer übertreiben und die Signale ignorieren, bremst irgendwann der Körper her. Verschleppte Infekte, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder deutlich verlängerte Genesungsphasen können die Folge sein. Noch schwieriger ist es aber, wenn auch der Kopf und die Seele sagen: "Stopp!"

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Es ist der Punkt der völligen Erschöpfung - gemeinhin als "Burnout" ("Ausgebranntsein") oder klinisch wohl korrekter als Depression bezeichnet. Der Punkt, an dem nichts mehr geht. Und der die Arbeitgeber wegen der vermehrten Arbeitsausfälle zunehmend vor Herausforderungen stellt. Laut der neuen AOK-Studie stieg die Zahl an Fehltagen durch psychische Erkrankungen seit 2007 um knapp 80 Prozent an.

Der AOK-Berufsverband rät dabei den Unternehmen, ihr Gesundheitsmanagement für "Mitarbeiter in Lebenskrisen" zu verbessern. Aber hier sind die Möglichkeiten begrenzt. Ohne sich als Laie auf das dünne Eis zu wagen, die seelische Verfassung der Betroffenen nachvollziehen zu können: Die Ursachen sind komplex und von Mensch zu Mensch verschieden. "Flexible Arbeitszeiten", "unbezahlter Urlaub" oder "psychologische Betreuung" - als einige der genannten Angebote - mögen in bestimmten Fällen hilfreich sein. Fast immer spielen in so einer Situation aber viele Faktoren zusammen. Berufliche und private Aspekte lassen sich oft nicht trennen.

Letztlich können Arbeitgeber und Vorgesetzte nur das Gleiche tun wie Familie und Freunde. Nämlich versuchen, die Betroffenen zu unterstützen und ihnen ein offenes Ohr zu leihen. Das wird zunehmend leichter, denn das Krankheitsbild verliert - als positiven Effekt der steigenden Fallzahlen - immer mehr sein Stigma. Und ein offenes Gespräch ist oft das beste Gesundheitsmanagement.

tobias.schwarzmeier[at]oberpfalzmedien[dot]de

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