24.03.2017 - 13:36 Uhr
Deutschland & Welt

Kostenloses EU-Roaming und dann?: Mobilfunkmarkt im Umbruch

Der Mobilfunkmarkt gilt längst als gesättigt. Wurde der Kampf um Marktanteile lange Zeit über aggressive Preisattacken geführt, kommt die Talfahrt allmählich ans Ende. Ob der Wegfall der Gebühren fürs Surfen durch fremde EU-Netze Kunden entlastet, ist fraglich.

Mitte Juni wird EU-Roaming kostenfrei. Archivbild: dpa
von Agentur DPAProfil

Bonn. Wer auf dem deutschen Mobilfunkmarkt nach attraktiven und vergleichbaren Preisangeboten Ausschau hält, muss angesichts des Tarif-Wirrwarrs verzweifeln. Volumentarife oder Flatrates, mit oder ohne SMS, Datenautomatik oder Drosseltarif, mobiles TV, Kurz- oder Langzeitverträge, Prepaid oder Postpaid: Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Intransparenz und Tarifvielfalt nutzt die Branche offenbar als Hebel, um auf gesättigten Märkten Erlösquellen zu sichern. Dabei wäre in Deutschland noch Luft nach unten: Im europäischen Vergleich gelten die Mobilfunkpreise, vor allem bei den angebotenen Datenvolumen, immer noch als sehr hoch.

EU-Roaming ab 15. Juni

Am 15. Juni kommt eine weitere Ungewissheit hinzu. Das EU-Roaming wird an dem Tag kostenfrei. Es geht um jene Gebühren, die anfallen, wenn Mobilfunkkunden im EU-Ausland zum Handy greifen. Zum Ärger von Verbraucherschützern und Regulierern hielten die Roaming-Kosten die Tarife lange Zeit hoch und sorgten dafür, dass die Anbieter sich eine goldene Nase verdienten. Nun soll EU-Reisenden kein Cent extra mehr fürs Herumwandern durch fremde Netze aus der Tasche gezogen werden. Zwar müssen auch künftig Roaming-Kosten bezahlt werden, aber es sind nicht mehr die Endkunden, die zur Kasse gebeten werden - im Prinzip jedenfalls.

Doch die Frage ist, welche Auswirkungen hat der Wegfall der Gebühren? "Es ist völlig unklar, was nach dem 15. Juni passiert", sagt Susanne Blohm, Referentin für Digitales und Medien bei der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Andere wie das Vergleichsportal Verivox sehen eine Preiswende am Mobilfunk-Himmel heraufziehen. Verbraucher würden für eine Leistung bezahlen, die eigentlich kostenfrei sei, unterstreicht Christian Schiele, Produktchef Telekommunikation bei Verivox.

Anbieter wie Telekom und Telefónica haben bereits ihre Tarife angepasst und EU-Roaming als Inklusivleistung ins Programm genommen. Dafür wurde der Preis leicht erhöht. Entfallen nun die Roaminggebühren, kommt es zu einer indirekten Preiserhöhung. Es sei denn, die Unternehmen rechnen die Kosten wieder heraus. Der Kostenfaktor Roaming, argumentiert Verivox, werde nun aufs Inland verlagert und in die Handytarife eingepreist. Folge: Nichtreisende und Geringverdienende zahlten am Ende die Zeche. Einige Discounter sind bereits dazu übergegangen, rein nationale Tarifmodelle zu entwickeln, die eine Auslandsnutzung ausschließen.

Die Marktriesen um Telefónica, Deutsche Telekom und Vodafone bleiben gelassen. "Die betroffenen Bestandskunden in Altverträgen werden keinen zusätzlich Aufpreis mehr bezahlen müssen", verspricht Vodafone-Sprecher Thorsten Hoepken. In den Standardtarifen sei das EU-Roaming schon inbegriffen, was auch für Telekom und Telefónica zutrifft.

Netzausbau kostet Geld

Arbeit kommt auf jeden Fall auf Mobilfunker zu, die sich mit Netzkapazitäten bei den großen Betreibern eingedeckt haben. Sie müssen bei der Rechnungstellung ihre Tarife anpassen. "Die Kunden werden von uns rechtzeitig per Mail oder SMS informiert", versichert ein Sprecher von Freenet. Dass das kostenlose Roaming in der EU die Mobilfunkpreise einebnen wird, steht nicht zu erwarten. Zu unterschiedlich ist das Preisniveau in den Mitgliedsländern. Zugleich verschlingen die Kosten für den Netzausbau viel Geld, das verdient werden muss. In Deutschland hat zudem die Übernahme von E-Plus durch Telefónica den Wettbewerb eher erlahmen lassen.

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