Krise in vielen Euro-Ländern kann Deutschland nichts anhaben
Wirtschaft erholt sich

Die führenden Wirtschaftsforscher sehen Deutschland auf Erholungskurs. Für das kommende Jahr sagen die Institute in ihrem Frühjahrsgutachten einen kräftigen Aufschwung voraus. Dazu würden gut aufgestellte Firmen, niedrige Zinsen, sichere Jobs, steigende Löhne und spendierfreudige Bürger beitragen. Größtes Risiko bleibe ein Aufflammen der Euro-Staatsschuldenkrise.

Die von der Koalition gefeierten Erfolge beim Schuldenabbau seien durchwachsen, heben die Institute in ihrem Gutachten hervor, das sie am Donnerstag in Berlin vorstellten. Einen Mindestlohn lehnen sie ab. Die Regierungsberater erwarten, dass die Konjunktur im Jahresverlauf anzieht.

Musterschüler in Europa

Allerdings korrigierten sie ihre Prognose für 2013 leicht nach unten. Gingen sie im Herbst noch von einem Plus von 1,0 Prozent für 2013 aus, rechnen sie nun mit einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,8 Prozent. Das ist immer noch doppelt so viel wie die Bundesregierung erwartet, die nächsten Donnerstag neue Zahlen vorlegt. 2014 könnte die Wirtschaft um 1,9 Prozent oder mehr wachsen. 2012 hatte das BIP nach einem Einbruch im vierten Quartal nur um 0,7 Prozent zugelegt. In Europa bleibt Deutschland aber Musterschüler. Die Ratingagentur Moody's lobte die Fortschritte bei der Haushaltssanierung. Die Topnote bei der Kreditwürdigkeit "Aaa" bleibt zwar mit negativem Ausblick und einer möglichen Abstufung versehen.
Vom Internationalen Währungsfonds kamen dagegen zuletzt kritischere Töne. Der IWF warnte die Euro-Länder vor einer "chronischen" Finanzkrise. Die Euro-Retter dürften nicht nachlassen, Reformen im Bankensektor voranzutreiben. Das sehen auch die Institute so. Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle rügte die "teilweise chaotischen Prozesse" bei der grundsätzlich richtigen Beteiligung der Gläubiger am Zypern-Rettungspaket. Die Euro-Gruppe müsse rasch glaubwürdige Regeln für Banken- und Staatspleiten entwerfen.

Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt dürfte sich weiter entspannen. Im Jahresdurchschnitt kalkulieren die Institute 2013 mit 2,9 Millionen Arbeitslosen, im nächsten Jahr mit 2,7 Millionen. Die Arbeitslosenquote soll von 6,7 Prozent auf 6,4 Prozent sinken, heißt es im 81-seitigen Gutachten. Der von SPD, Grünen und Linkspartei geforderte gesetzliche flächendeckende Mindestlohn würde Arbeitsplätze vernichten.

Erfreulich für die Arbeitnehmer ist, dass sich die Lohntüten weiter füllen. Dank der gesenkten Beiträge zur Sozialversicherung und des höheren Grundfreibetrags bei der Einkommensteuer steigen die Nettolöhne 2013 voraussichtlich um 3,3 Prozent und 2014 um 3,2 Prozent. Das stärkt die Binnennachfrage.
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