Krumbacher Familienbetrieb Birner stellt Weichen für die Zukunft
Auch der Stall hängt am Smartphone

Sie sind die heimlichen Herrscher im Stall der Birners: der Spaltenschieber (Bild rechts), der so unbeirrt seinen Weg fährt, dass die Kühe gelernt haben, ihre Beine und Schwänze zu heben, wenn er vorbeikommt, sowie der Melkroboter (Bild links), der jedes Tier über einen Responder-Chip am Hals erkennt, ihm danach Futter gibt, Milch abzapft und die Kühe sogar dazu bringt, sich hinten (oder vorne) anzustellen.
 
Sie sind die heimlichen Herrscher im Stall der Birners: der Spaltenschieber (Bild rechts), der so unbeirrt seinen Weg fährt, dass die Kühe gelernt haben, ihre Beine und Schwänze zu heben, wenn er vorbeikommt, sowie der Melkroboter (Bild links), der jedes Tier über einen Responder-Chip am Hals erkennt, ihm danach Futter gibt, Milch abzapft und die Kühe sogar dazu bringt, sich hinten (oder vorne) anzustellen.

Wer weiß, wie früher die Kühe oft ausgeschlagen haben, wenn man sie melken wollte, der kann nur ungläubig den Kopf schütteln, wenn er sieht, wie ruhig es jetzt an einem Melkroboter zugeht. Die Kuh kommt gemächlich in den Stand, beginnt zu fressen, lässt sich von rollierenden Bürsten das Euter abschrubben und zuckt nicht einmal, als die Maschine die Saugstücke über die Zitzen stülpt.

Daneben stehen lächelnd Tanja und Florian Birner (beide 36) und freuen sich noch heute über ihre Entscheidung, auf das automatische Melken umzustellen. Zumal auch die Hygiene passt. "Vom Milchlabor kommen nur positive Zahlen", sagt Florian Birner. Das Landwirtschaftsamt hat seinen Milchviehbetrieb in Krumbach wohl als Beispiel für die Pressefahrt zum internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe ausgesucht, weil hier die Verquickung der Familientradition mit der modernen Technik so ins Auge fällt.

Aussiedeln als beste Lösung

Florian Birner als staatlich geprüfter Wirtschafter für Landbau kann den Hof seiner Vorfahren im Haupterwerb weiterbetreiben, weil er sich zusammen mit seiner Frau Tanja, die halbtags als Arzthelferin arbeitet, und seinen Eltern für eine Vergrößerung entschieden hat. "15 Jahre haben wir überlegt, ob wir aussiedeln sollen", erzählt Birner. "Aber daheim ist es nicht gegangen." Man kann sich nicht vergrößern, wenn keine 25 Meter neben dem Stall Nachbarhäuser sind. Also aussiedeln - "das war die beste Lösung für die Anwohner und auch für uns", sagt Tanja Birner.

Der neue Laufstall steht seit eineinhalb Jahren nur wenige hundert Meter vom alten Stall (mit 20 Mastbullen) im Krumbachtal. Er beherbergt 55 Kühe sowie 55 Färsen und Kälber. Und natürlich den fleißigen Melkroboter. Der zapft den Kühen rund um die Uhr ihre Milch ab, sie können selbst entscheiden, wann sie reingehen. Er erkennt sogar, wenn ein besonders pfiffiges Tier zweimal hintereinander kommt, um sich noch eine Futterportion zu schnappen. Da bleibt die Klappe zu.

"Die Lebensqualität ist viel besser"

Melken müssen die Birners also nicht mehr. "Der Florian muss jetzt nur noch das Milchhaus aufsperren", haben einige Krumbacher daraus gefolgert. So ganz stimmt das aber nicht. Am täglichen Füttern und Kälbertränken führt kein Weg vorbei. Und auch der Melkroboter verlangt seine Aufmerksamkeit, manchmal sogar nachts. Er meldet technische Störungen und Anomalien auf Birners Smartphone. Oder auch Kühe, die eine zu lange Pause zwischen zwei Melkvorgängen machen. Manche Probleme sind über die Kamera im Stall und die Vernetzung mit dem heimischen Computer zu klären, andere erfordern es, dass der Bauer selbst nachschaut.

Trotzdem: "Die Lebensqualität ist viel besser", beschreibt Tanja Birner den Unterschied zu früher, als das Melken unverrückbar zum Tagesablauf gehörte. "Ich hab's nicht bereut", sagt auch ihr Mann. "Ich empfehle jedem, der mich fragt, es genauso zu machen." Obwohl so ein Stall mit modernster Ausstattung eine hübsche Stange Geld kostet.

150.000 Euro für Melkroboter

"Für Zins und Tilgung auf 20 Jahre muss man rund fünf Prozent vom Milchpreis kalkulieren", rechnet Josef Schmidt vom Landwirtschaftsamt vor. Das funktioniert beim aktuellen Preis von etwa 39 Cent ganz gut, kann aber schwierig werden, wenn der Preis stark fällt. "Das ist das Risiko", sagt Schmidt. Aber eines, das ein Familienbetrieb eher tragen kann als ein auf ständigen Gewinn programmiertes Unternehmen. Denn die Bauernhöfe überleben seit alters her, indem sie in schlechten Zeiten von der Substanz zehren.

So 150 000 Euro muss man für einen Melkroboter schon einkalkulieren, sagt Josef Schmidt (oder zwei Cent pro Liter Milch mehr Unkosten). Der Landwirt gewinnt dadurch an Lebensqualität - und die Kühe? "Fällt Ihnen die Ruhe im Stall auf?", antwortet Schmidt mit einer Gegenfrage. Stimmt! Die Kühe liegen locker auf Gummimatten oder machen sich auf den Weg zur Melkstation, nachdem sie das Klacken gehört haben, dass ein Tier fertig gemolken ist. Manche stehen sogar gelassen in der Schlange, bis sie dran sind.

Nächste Generation

Ähnlich praktisch wie der Melkroboter ist als Helfer des Landwirts der "Spaltenschieber". Der hat was von einem vollautomatischen Rasenmäher, weil er sich ebenfalls selbst seinen Weg sucht. Wo er vorbeikommt, heben die Kühe gottergeben die Füße und der Mist plumpst durch die Spalten im Boden nach unten. Die Technik gefällt Willibald Götz, dem Chef des Amberger Landwirtschaftsamtes, aber etwas anderes noch viel mehr: dass die Birners - typisch für Familienbetriebe - vorausschauend gehandelt haben. "Hier kann noch eine Generation wirtschaften, wenn sie will", sagt Götz mit Blick auf Dimension und Qualität des Stalles. Aber die Birner-Kinder, 13 und 10 Jahre alt, haben noch etwas Zeit, um diese Entscheidung zu treffen.

Die Milch fließt

Nach Angaben des Landwirtschaftsamtes stehen im Landkreis Amberg-Sulzbach gut 72 Prozent der Kühe in tierfreundlichen modernen Laufställen. Das sei der höchste Wert in der Oberpfalz und Rang 9 in Bayern. Die durchschnittliche Jahresmilchleistung pro Kuh gibt das Amt mit 7741 Kilogramm an. Das sind 400 Kilogramm mehr als der bayerische Durchschnitt.
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