28.09.2017 - 20:46 Uhr
Deutschland & Welt

Küchenbauer Alno kuzr vor Insolvenzverfahren Der Alno-Absturz

Wer eine Alno-Küche gekauft hat, der dürfte tief in die Tasche gegriffen haben. Denn billig sind die Produkte der Oberklasse-Marke nicht. Doch der hohe Preis für die Küchen half der Firma wenig - sie ist pleite, ihr droht die Abwicklung.

Ein Kunde schaut sich in Pfullendorf Alno-Musterküchen an. Bild: Felix Kästle/dpa
von Agentur DPAProfil

Pfullendorf. Als der Küchenbauer 1995 an die Börse ging, begann ein für die Branche beispielloser Abstieg. Die Firma aus Pfullendorf geriet in eine Dauerkrise. Im Juli stellte Alno Insolvenzantrag, in den kommenden Tagen dürfte das Insolvenzverfahren beginnen. Alno könnte zerschlagen werden - oder verschwinden.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Hörmann sitzt an einem Bericht, auf dessen Basis das Amtsgericht Hechingen bald das Insolvenzverfahren eröffnen dürfte. Der Zeitdruck ist hoch. Zwar konnte Alno am Donnerstagabend verkünden, dass man einen Kredit über sechs Millionen Euro als Brückenfinanzierung bekommen hat. Wie lange das Geld aber reicht, um Löhne und Gehälter zu bezahlen, ist unklar.

In einer juristischen Schlammschlacht gehen neue Investoren und geschasste Chefs gegeneinander vor. Hierbei gibt es nur Verlierer: Den Ex-Vorstand, dessen Ruf als ramponiert gilt. Die neuen Investoren, die rund 100 Millionen Euro verlieren könnten. Lieferanten, die auf unbezahlten Rechnungen sitzen bleiben. Und Händler, die Alno-Küchen verkauft haben, sie aber nicht liefern können. Oder: Die unvollständige Küchen ausgeliefert haben und den Frust der Kunden zu spüren bekommen. Auf der Verliererseite sind auch die 1600 Mitarbeiter des Traditionsunternehmens, die zur Untätigkeit verdammt sind - die Produktion ruht.

Einstieg von Tahoe

Der bisher letzte Akt im Drama um den Niedergang begann 2016. Der Vorstand um den seit 2011 amtierenden Chef Max Müller suchte einen Investor. Die Finanzholding Tahoe stieg ein. Die gehört zur Prevent-Gruppe der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor. Prevent hatte 2016 Schlagzeilen gemacht, als der Zulieferer im Streit mit VW Lieferungen einstellte und dadurch die Fertigung beim Autobauer teilweise stillstand. Hastor hatte zum Jahreswechsel auch versucht, die Macht bei Grammer zu erlangen.

2016 liefen die Geschäfte dann schlechter als erwartet: Müller und die damalige Finanzchefin Ipek Demirtas mussten ihre Prognosen runterschrauben, der Umsatz schrumpfte statt zu steigen. Bei einem Erlös von 493,2 Millionen Euro machte man 2016 einen Verlust von 67,2 Millionen Euro. "Das ehemalige Management hat uns vor unserem Einstieg nicht zutreffende Angaben über die Lage des Unternehmens gemacht, daher fühlen wir uns getäuscht", teilt Tahoe mit. "Die Informationen erfolgten umfassend und regelkonform", sagt ein Sprecher von Demirtas. Es seien "die aktuellen Ist-Zahlen" kommuniziert worden. Ende 2016 musste Demirtas gehen, im Frühjahr 2017 folgte ihr Müller. Tahoe schickte neue Manager. Demirtas gründete im März in Liechtenstein die Firma First Epa. Deren Ziel: Bei Alno oder bei Konzernteilen zurück ans Ruder zu kommen. First Epa kaufte Forderungen über 50 Millionen Euro von Alno-Lieferanten auf, wurde so Gläubiger des Küchenbauers. Mit den Forderungen als Druckmittel wollte First Epa die Alno-Tochter Pino aufkaufen.

Die neuen Alno-Chefs lehnten ab. Begründung: "Es hat sich weniger um ein seriöses Kaufangebot gehandelt, sondern um den Versuch, 'durch die Hintertür' Einfluss und Kontrolle bei Alno zurückzugewinnen." Alno meldete Insolvenz in Eigenverwaltung an. Dabei klopfen Firmenchefs bei Gläubigern an und bitten um Hilfe. First Epa war dazu nicht bereit. Stattdessen reichte der Gläubiger beim Amtsgericht einen Antrag auf Beendigung der Eigenverwaltung ein. First Epa warf den neuen Chefs Verfehlungen vor - sie hätten Geld nicht zum Wohle Alnos, sondern für eigene Interessen genutzt. Das von Tahoe dominierte Management bestritt Verfehlungen und hielt den Ex-Chefs Fehler vor, die ein juristisches Nachspiel haben sollen.

Vertrauen verloren

Die von den Hastors gestützten Vorstände beendeten die Eigenverwaltung. Daraufhin übernahm der vorläufige Insolvenzverwalter Hörmann. Er wollte einen Massekredit bekommen. Das klappte nicht. Grund: Lieferanten und Kunden hatten kein Vertrauen mehr in die Firma. Hörmann beschreibt die Lage als komplex. Der Investorenprozess laufe noch. "Es haben sich Interessenten für den Erwerb gefunden, die die Alno-Unternehmen auf Herz und Nieren überprüfen." Möglich ist, dass die 400-Mitarbeiter-Konzerntochter Wellmann aus Enger (Nordrhein-Westfalen) und die andere, 230 Mitarbeiter starke Tochter Pino aus Sachsen-Anhalt einzeln verkauft werden.

Kann Alno noch das Ruder herumreißen? "Es wäre zu wünschen", sagt ein Küchenexperte, der seinen Namen nicht in Zusammenhang mit dem Alno-Schlamassel lesen möchte. "Aber das Vertrauen seiner Kunden und Lieferanten hat Alno eigentlich aufgebraucht."

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