09.07.2017 - 21:40 Uhr
Deutschland & Welt

Kulturwandel in Großbritannien Schluss mit Tea Time

Im Land der Tee-Trinker schrumpft der Verbrauch des schwarzen Tees seit Jahrzehnten. Junge Briten trinken grünen Tee, Kaffee und immer mehr Wasser. Frische Ideen sind gefragt, um die Tee-Kultur zu retten.

Junge Briten verlieren zunehmend die Lust auf schwarzen Tee. Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
von Agentur DPAProfil

London. Teetrinken, schwarzer Humor und unbeständiges Wetter prägen das Image vom Leben in Großbritannien. Junge Briten kümmert das Klischee der teetrinkenden Nation jedoch wenig. Vor allem der schwarze Tee gilt als langweilig. Die Tee-Industrie weiß um ihr angeschlagenes Image, denn mit dem Nationalgetränk der Briten geht es schon lange bergab. Zwischen 1974 und 2014 ist der Verbrauch von Schwarztee um mehr als die Hälfte geschrumpft, so ein Bericht der britischen BBC. Die neuesten Umfragen zeigen ein ähnliches Bild: "Der Konsum ist weiter rückläufig", sagt Richard Caines vom Marktforschungsinstitut Mintel. Zwischen 2013 und 2015 sei der Verkauf von Teebeuteln mit schwarzem Tee um 14 Prozent gefallen. 2016 ging der Konsum um weitere 6 Prozent zurück.

Im Land der Tee-Trinker hat sich in den letzten Jahren eine Kaffee-Kultur etabliert. Auf dem Weg zur Arbeit ist der Kaffee zum Mitnehmen für viele ein tägliches Ritual. Im Büro geht es dann oft mit Tee weiter. Kaffee und Tee, das eine Getränk schließe das andere nicht aus, und viele Briten trinken beides, sagen Marktforscher.

Beim Tee scheiden sich die Geschmäcker der Generationen. Briten über 50 lieben ihre "cuppa", die Tasse Schwarztee prägt ihren Tagesablauf, und sie trinken täglich fünf bis sechs Tassen. "Das Zeug schmeckt mir einfach nicht", sagt Alice Hines. Sie gehört zur Gruppe der 25- bis 34-Jährigen, und wie viele ihrer Altersgenossen bevorzugt sie grünen Tee. "Der Verkauf von Teebeuteln mit grünem Tee ist zwischen 2013 und 2015 um 39 Prozent gestiegen", erklärt Marktforscher Caines. Auch Früchte- und Kräutertees hätten im zweistelligen Bereich zugelegt. "Außerdem trinken die jüngeren Briten viel mehr Wasser, hier gibt es den größten Zuwachs." Analysten rechnen mit einem weiteren Rückgang beim Schwarztee und einem Anstieg beim Kaffee-Konsum. 2016 betrug das Einzelhandelsvolumen für Tee rund 90 000 Tonnen und für Kaffee etwa 78 000 Tonnen, so das Marktforschungsunternehmen Euromonitor International.

Viele ältere Briten betrauern den Niedergang der Tee-Tradition. Der berühmte "Afternoon Tea" wird heute fast nur noch in Hotels zelebriert. Früher waren Gebäck und Sandwiches am Nachmittag überall üblich, "aber heute wollen alle nur noch gesund essen", klagt der 72-jährige Richard Morris. Er erzählt von den "Tea Ladies", die bis in die 70er-Jahre Teewagen durch die Büros schoben und Angestellte versorgten.

Die Tee-Liebhaber in Großbritannien bieten der Kaffee-Konkurrenz mit ungewöhnlichen Innovationen die Stirn. Einige Restaurants in London bieten spezielle Menüs mit den dazu passenden Teesorten an. Zwei Gourmet-Restaurants beschäftigen sogar Tee-Sommeliers, berichtet die UK Tea and Infusions Association.

Im Londoner Stadtteil Tooting hat Alex Holland das erste Tee-Pub in der britischen Hauptstadt eröffnet. "Bei uns herrscht eine Pub-Atmosphäre, aber statt Gläser mit Bier gibt es Kannen mit Tee", erklärt Holland. Auf der Getränkekarte stehen auch Tee-Cocktails wie Earl Grey und Tonic, und die Kundschaft ist begeistert. "Die Idee ist super", schwärmt eine italienische Touristin.

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