20.02.2017 - 12:02 Uhr
Deutschland & Welt

Logistikbranche unter Dampf: Internet-Handel über Grenzen kommt in Fahrt

Der boomende Online-Handel hält die Logistikbranche unter Dampf. Dabei gerät auch die grenzüberschreitende Verteilung der Waren immer mehr in den Strudel des E-Commerce. Konzerne wie Post DHL oder Fed-Ex wittern in der globalen Industrie große Wachstumschancen.

Über das Netz bestellt, schnell geliefert: Auch weltweit nimmt diese Art von Geschäft zu. Archivbild: dpa
von Agentur DPAProfil

Bonn. "Wir sind Amazon Prime" - Markus Reckling ist nicht gerade bescheiden, wenn er auf die Logistik-Ambitionen des US-Online-Riesen bei der Paket-Zustellung angesprochen wird. Der 48-jährige Manager führt seit Kurzem bei der Deutschen Post den Bereich DHL-Express Germany. Neben der Paketsparte gehört das Expressgeschäft, befeuert durch den boomenden Online-Handel, zu den großen Wachstumstreibern und Gewinnbringern des gelben Riesen. Amazon sei ein wichtiger Kunde und Wachstumstreiber der Branche, räumt Reckling ein, aber kein ernsthafter Konkurrent in der Zustellung.

Rund 250 Flugzeuge

Exklusives und Exzellentes liefern, das hat sich auch DHL Express auf die Fahnen geschrieben. Hinzu kommt das Ausliefern von Waren mit zeitgenauer internationaler Zustellung in einem Netz, das sich über alle Kontinente und Länder der Erde erstreckt. Rund 250 Frachtmaschinen transportieren bei DHL rund 750 000 Sendungen pro Tag in alle Länder der Erde. Reckling: "Nur in Turkmenistan sind wir nicht vertreten".

Kein Wunder, dass die dynamische Entwicklung des E-Commerce die Fantasie der Logistiker beflügelt. Ausbau der Netze, neue Verteilzentren, die Erweiterung großer Drehkreuze und Übernahmen charakterisieren die Branche. Das Expressgeschäft gilt mit seinen Gewinnmargen als Goldesel der Logistiker. Allein bei der Deutschen Post ist Express mit 13,7 Milliarden Euro (2015) Umsatz zwar der kleinste, aber mit gut 10 Prozent Rendite der profitabelste Bereich. Ein großer Teil der Erlöse wird dabei außerhalb des Euro-Raumes erwirtschaftet, rund 5 Milliarden Euro allein in Asien.

In dem lukrativen Geschäft mischen aber auch andere mit - zum Beispiel der US-Gigant Fed-Ex. Das Unternehmen gibt in den USA mit UPS den Ton an, DHL Express ist vor allem in Europa und Asien stark. Seit der Übernahme der niederländischen TNT im vergangenen Jahr macht sich Fed-Ex in Europa zunehmend breit. Durch den Erwerb "können wir ein äußerst bemerkenswertes europäisches Straßennetzwerk zu dem bereits bestehenden Flugnetzwerk in Europa und rund um die Welt hinzufügen", heißt es im dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Fed-Ex Report zu den Exportaktivitäten von kleinen und mittleren Unternehmen. Und auf diese hat es der Logistikkonzern besonders abgesehen.

Anteil wächst

Zwar hat in der Expresssparte in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Endkunden deutlich zugelegt - von 2013 bis 2016 beziffert DHL die Zunahme des Anteils von 10 auf mehr als 20 Prozent - doch bleibt das Geschäft zwischen Unternehmen wichtigstes Standbein. Immer mehr Betriebe erkennen die Vorteile des Online-Handels. Einige Bereiche wie Autozulieferung, Energiebereich, Gesundheit und Pharmazie seien schon heute vom Expressversand abhängig.

Dabei stellen auch Unternehmen die Zustellerbranche auf eine harte Probe: Sie fordern vor allem einen schnelleren Lieferservice. Nicht wenige würden dafür auch mehr zahlen, heißt es in dem Fed-Ex-Bericht. Und die überragenden Rolle des Online-Handels fasst der Bericht wie folgt zusammen: "Die Verschmelzung digitaler mit physischen Netzwerken bedeutet, dass die Welt noch stärker verbunden ist und noch mehr Exportmöglichkeiten bietet".

Amazon: Neue Arbeitsplätze in Deutschland

Der Online-Händler Amazon will in diesem Jahr über 15 000 neue Arbeitsplätze in Europa schaffen. Davon sollen mehr als 2000 auf Deutschland entfallen. Es gehe dabei um unterschiedliche Qualifikationen und Berufserfahrungen - "von Ingenieuren über Software-Entwickler bis hin zu Berufseinsteigern und Auszubildenden", kündigte Amazon am Montag an. In Großbritannien will Amazon die Zahl der Stellen in diesem Jahr um 5000 auf rund 24 000 erhöhen. Anfang Januar hatte Amazon bereits angekündigt, 100 000 neue Arbeitsplätze in den USA zu schaffen. Bis Mitte 2018 solle die Zahl der Vollzeitstellen im Land von 180 000 auf 280 000 erhöht werden, hieß es damals. Der Konzern hat wegen seiner ambitionierten Wachstumspläne mit einem großen Cloud-Geschäft und neuen Produkten wie der digitalen Sprachassistentin Alexa einen hohen Bedarf an Fachleuten. (dpa)

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