21.07.2017 - 22:02 Uhr
Deutschland & Welt

Massive Vorwürfe: Kartell der deutschen Autobauer

Dieselskandal, Abgasbetrug, Milliarden-Entschädigungen in den USA - war das alles am Ende nur die Spitze des Eisbergs? Laut "Spiegel" werden gegen die deutsche Autobranche massive Kartellvorwürfe erhoben. Es geht auch nicht mehr nur um Volkswagen.

von Agentur DPAProfil

Hamburg. (dpa/we) Deutsche Autobauer stehen einem Bericht zufolge unter dem Verdacht jahrelanger illegaler Absprache zu Lasten von Verbrauchern und Zulieferern. Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen sich in einem gemeinsamen Kartell über Technik, Kosten und Zulieferer abgesprochen haben, wie der "Spiegel" am Freitag meldete.

Das Magazin berief sich dabei auf einen Schriftsatz, den VW auch für Audi und Porsche bei den Wettbewerbsbehörden eingereicht haben soll. Auch Daimler habe eine "Art Selbstanzeige" hinterlegt. Die Aktien der Autobauer sackten am Freitagnachmittag deutlich ab.

Volkswagen, Daimler und BMW wollten sich nicht dazu äußern. Daimler und BMW sprachen von "Spekulationen". Das Bundeskartellamt erklärte mit Blick auf den "Spiegel"-Bericht: "Details laufender Verfahren können wir nicht kommentieren." Die EU-Kommission in Brüssel - oberste Wettbewerbsbehörde im europäischen Binnenmarkt - sagte zum angeblichen Schriftsatz von VW: "Zu diesem Thema geben wir keine Stellungnahme ab."

Geheime Arbeitskreise

Der Vorwurf wiegt schwer: Mehr als 200 Mitarbeiter der Unternehmen sollen sich seit den 1990er Jahren in geheimen Arbeitskreisen abgestimmt und auf diese Weise den Wettbewerb außer Kraft gesetzt haben. Es soll um alle Details der Autoentwicklung gegangen sein. Dabei möglicherweise besonders brisant: angebliche Absprachen zur Technik für die Diesel-Abgasreinigung. Laut dem Bericht stimmten sich Daimler, BMW, Audi, Porsche und VW seit Jahren etwa darüber ab, wie groß die Tanks für AdBlue sein sollten - ein Harnstoffgemisch, mit dessen Hilfe Stickoxide in die harmlosen Bestandteile Wasser und Stickstoff aufgespalten werden. Weil große Tanks teurer gewesen wären, sollen sich die Firmen auf kleine Tanks geeinigt haben.

Basis für Dieselskandal

Nach den "Spiegel"-Informationen könnte an dieser Stelle die Basis für den Dieselskandal gelegt worden sein. Im September 2015 hatte VW zugegeben, millionenfach Dieselmotoren manipuliert zu haben, deren Abgasreinigung nur auf dem Prüfstand zufriedenstellend arbeitete.

Kritik kommt von Ismail Ertug aus Amberg, verkehrspolitischer Sprecher der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament: " Wenn diese Informationen stimmen, dann wird ein gewaltiger Ruck durch die gesamte Automobilindustrie gehen müssen. Dann muss sie auf neue Füße gestellt werden." (Seite 15)

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