10.10.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mehr Sprotte, weniger Hering EU-Minister bestimmen Fischfangmenge

Wie viel Fisch darf ins Netz, wie können die Bestände in der Ostsee bewahrt werden? Gut 20 Stunden lang rangen die zuständigen EU-Minister um eine Antwort. Am Ende steht fest: Vielerorts werden die erlaubten Fangmengen gekürzt.

Die EU-Minister haben beschlossen, dass künftig weniger Hering aus der Ostsee gefischt werden darf als 2017. Archivbild: Stefan Sauer/dpa
von Agentur DPAProfil

Luxemburg. Deutsche Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Hering aus der westlichen Ostsee ziehen als 2017. Die dort erlaubte Fangmenge werde um 39 Prozent gesenkt, wie der estnische Minister Siim Kiisler am Dienstagmorgen in Luxemburg nach der Entscheidung der zuständigen EU-Minister mitteilte. Estland hat derzeit den Vorsitz unter den EU-Staaten inne. Die Fangquoten für den für Deutschland ebenfalls wichtigen Dorsch in der westlichen Ostsee bleiben demnach unverändert. Umweltschützer nahmen die Einigung mit gemischten Gefühlen auf.

Beim östlichen Dorsch verständigten sich die Minister nach den rund 20-stündigen Verhandlungen darauf, die erlaubte Fangmenge 2018 um acht Prozent zu senken. Einschränkungen gibt es auch bei Scholle (minus 10 Prozent) sowie bei Lachs (minus 5 Prozent) in der gesamten Ostsee. Erhöht werden hingegen die erlaubten Fangmengen für Hering in der zentralen Ostsee um 20 Prozent und für Sprotte in der gesamten Ostsee um ein Prozent.

In jedem Jahr legen die EU-Fischereiminister die zulässigen Gesamtfangmengen fest. Die EU-Kommission gibt dafür vorab Empfehlungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten. In den Verhandlungen sollen Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände gefunden werden. 2017 hatte die EU-Kommission ein Aalfangverbot gefordert. Dies nahmen die Minister nicht an. Stattdessen soll im Dezember nach einer europäischen Lösung zum Schutz des Aals gesucht werden.

"Die notwendigen Quotenkürzungen sind schmerzlich für die deutschen Ostseefischer. Aber: Nur gute Bestände sichern langfristig die wirtschaftliche Perspektive der Ostseefischerei", sagte Bundesminister Christian Schmidt (CSU). "Mit der heutigen Entscheidung leisten wir einen Beitrag zur weiteren Erholung der Bestände und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee."

Die Naturschutzorganisation WWF zeigte sich kritischer. "Die Situation der deutschen Brotfische in der westlichen Ostsee ist besorgniserregend. Bei den hauptsächlich von Deutschland und Dänemark bewirtschafteten Beständen von Dorsch und Hering haben die Minister die Bestandserholung bisher nicht in den Griff bekommen", sagte WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky. "Die diesjährige Entscheidung ist zwar ein guter Schritt, wird aber das Ziel der Fischereipolitik, bis 2020 gesunde Bestände zu erreichen, verfehlen."

Mit den Gesamtfangmengen wird bestimmt, wie viel Fisch von einem bestimmten Bestand im jeweiligen Jahr gefangen werden darf. Die Gesamtfangmengen werden unter den EU-Staaten dann als nationale Quoten verteilt.

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