Mögliche Auswirkungen der Leitzins-Senkung durch die EZB
Schlechte Zeiten für Sparer

"Wir sind bereit zum Handeln, falls notwendig", so EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag. Bild: dpa

Mit noch billigerem Geld stemmen sich Europas Währungshüter gegen die Rezession im Euroraum. Ob die Senkung des Leitzinses auf 0,5 Prozent den erhofften Effekt hat, ist umstritten. Sicher ist: Der Schritt birgt Risiken.

Warum macht die EZB das Geld im Euro-Raum noch billiger?

Weil der Leitzins auf seinem bisherigen Rekordtief von 0,75 Prozent nicht genügend Durchschlagskraft hatte: Der Euro-Raum steckt weiterhin tief in der Rezession. Zwar ist umstritten, ob der niedrigere Zins die Konjunktur spürbar antreiben kann. Aber die Notenbank signalisiere mit dem Schritt, dass sie "den Ernst der Lage erkannt habe", sagte Michael Krautzberger, Leiter des Teams für europäische Anleihen beim Vermögensverwalter Blackrock.

Wem nutzen niedrige Zinsen?

Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite. Unternehmen können dann im Prinzip mehr investieren und Verbraucher mehr kaufen, was nicht sofort aus eigener Tasche bezahlbar ist. Beides kann die Konjunktur ankurbeln. Solche Wachstumsimpulse sind aktuell vor allem in den Krisenstaaten im Süden Europas gefragt. Aber auch in Deutschland profitieren zumindest einige vom billigen Zentralbankgeld: Darlehen für Hausbauer und Wohnungskäufer sind derzeit extrem günstig.
Was ist schlecht daran, wenn das Geld billig ist?

Billiges Geld kann zu Inflation, also Geldentwertung, führen. Je mehr das Geld entwertet wird, umso weniger Waren und Dienstleistungen können Verbraucher kaufen. Die Kaufkraft sinkt also, ebenso der Wert der Ersparnisse. Auf der anderen Seite zehrt Inflation aber auch Schulden auf. Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von "unter, aber nahe bei" 2,0 Prozent als stabiles Preisniveau an. Im April sank die Inflation im Euroraum auf 1,2 Prozent - trotz der seit Monaten weit geöffneten Geldschleusen der EZB.

Werden jetzt Kredite für Verbraucher billiger?

Tendenziell ja. Verbraucherschützer haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass Banken eine Erhöhung der Leitzinsen bei Krediten schneller an ihre Kunden weitergeben als eine Senkung.

Entwertet die Geldschwemme meine Ersparnisse?

Im Prinzip ja. Zwar ist die Inflation derzeit auf dem Rückzug, dennoch liegen die Sparzinsen meist noch deutlich darunter. Heißt: Wer Geld auf Sparbuch, Tagesgeldkonto oder in Bundesanleihen anlegt, macht nach Abzug der Inflation zumeist ein Verlustgeschäft. In einer gemeinsamen Erklärung vor der EZB-Sitzung hatten die Verbände von Volksbanken, Sparkassen und Versicherungswirtschaft in Deutschland davor gewarnt, die Zinsen noch weiter zu senken.
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