06.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Nach den Lufthansa-Piloten am Freitag streiken am Samstag ab 6 Uhr die GDL-Lokführer Reisen als Roulettespiel

Reisen in Deutschland ist an diesem Wochenende eine schwer planbare Sache: Lufthansa-Piloten und Lokführer streiken direkt hintereinander. Am Freitagabend traf es die Flugreisenden, am Samstagvormittag müssen Bahnkunden mit Stillstand rechnen.

von Agentur DPAProfil

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) rief ihre Mitglieder am Freitag auf, am Samstag um 6 Uhr bundesweit die Arbeit für drei Stunden niederzulegen. Betroffen sind Regional- und Fernzüge, die S-Bahnen in Berlin und Hamburg sowie der Güterverkehr. Die Deutsche Bahn kritisierte die Aktion als "völlig irrational".

Urabstimmung folgt

GDL-Chef Claus Weselsky warf dagegen der Deutschen Bahn im Hessischen Rundfunk vor, sich in dem Tarifkonflikt nicht zu bewegen und die rivalisierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu schützen. In der kommenden Woche werde die GDL über weitere Schritte beraten, hieß es. "Als nächstes folgt die Urabstimmung über einen regulären Arbeitskampf", sagte Weselsky.

Bereits am Montagabend hatte ein Lokführer-Warnstreik Zehntausende Reisende und Pendler getroffen. Möglicherweise gibt es am Samstagmorgen zudem auch noch Einschränkungen bei der Lufthansa infolge des Streiks, den die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit für Freitagabend angekündigt hatte. Ausweichen auf die Bahn ist dann für gestrandete Flugreisende nicht mehr möglich.

Die Lokführergewerkschaft kämpft darum, künftig auch für das übrige Zugpersonal verhandeln zu dürfen - was bisher die größere EVG übernahm. Die Bahn will dagegen als Bedingung für Verhandlungen über mehr Geld erreichen, dass beide Gewerkschaften zusammenarbeiten. "Niemand versteht den Sinn dieser Streiks, abgesehen von der Tatsache, dass eine Gewerkschaft das Spielfeld der anderen erobern will", kritisierte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Er rief die Gewerkschaft auf, die Aktion abzublasen und wieder zu verhandeln. Die GDL betont in ihrem Aufruf dagegen, mit dem Streik die Bahn an den Verhandlungstisch zurückbringen zu wollen. Die Bahn kündigte an, in Zügen und auf Bahnhöfen mehrere Hundert Mitarbeiter zur Verstärkung einzusetzen, vor allem beim Service-Personal, in den Betriebszentralen und bei der Reisendeninformation.

"Wir sind jederzeit bereit, über alles für unsere Lokführer zu verhandeln", versicherte Weber. "Über Löhne, über Arbeitsbedingungen und über neue Spielregeln für Tarifverhandlungen." Die GDL verlangt für sie alle fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Die bundeseigene Deutsche Bahn hat ein Lohnplus von 1,9 Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit angeboten.

500 Feldbetten parat

Am Freitag begannen die Unannehmlichkeiten für Flugreisende schon weit vor dem für 17 Uhr angesetzten Beginn des Pilotenstreiks. Die Lufthansa hatte bereits ab 13.30 Uhr erste Flüge nach Frankfurt abgesagt, um den Flugbetrieb nach Streikende so schnell wie möglich wieder normalisieren zu können. Ab 16 Uhr musste der Großteil der innerdeutschen und europäischen Abflüge annulliert werden. Insgesamt sollten mehr als 200 Flüge ausfallen, was rund 25 000 Passagiere betraf.

Die Airline verschickte zuvor insgesamt 14 000 SMS an Fluggäste, die ihre Verbindungsdaten registriert hatten, und informierte über Flugausfälle und alternative Reisemöglichkeiten. Zudem waren vorsorglich 2200 Hotelzimmer angemietet worden. Für Fluggäste, die aufgrund fehlender Visa das Flughafengebäude nicht verlassen dürfen, wurden rund 500 Feldbetten aufgebaut.

Der Münchner Flughafen war vom Streik unterdessen kaum betroffen. Es fielen lediglich drei Starts und drei Landungen nach und von Frankfurt aus. Am Nürnberger Airport mussten nach Angaben eines Sprechers insgesamt vier Flüge gestrichen werden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.