09.02.2018 - 20:40 Uhr
Deutschland & Welt

Nach Kursrutsch in USA Weltweite Unruhe an Börsen

Erneut sind in den USA die Börsen eingebrochen. Und auch in Deutschland reagieren die Investoren nervös - auch wenn die Märkte hierzulande als weniger überhitzt gelten.

Der Börsenhändler Anthony Carannante (links) im Trubel auf dem Parkett an der New Yorker Börse. Bild: Richard Drew/AP/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Am deutschen Aktienmarkt haben Anleger wegen des erneuten Kursrutsches an den amerikanischen Börsen nervös reagiert. Der schloss am Freitag mit einem deutlichen Minus von 1,25 Prozent bei 12 107,48 Punkten. Am Morgen waren die Anleger noch weitgehend gelassen in den Handelstag gestartet. Der Dax gab am Freitagmittag nur wenig nach auf 12 211 Punkte - beachtlich angesichts eines Kurseinbruchs von mehr als vier Prozent am Vorabend an der Wall Street.

Dort war der Leitindex Dow Jones erneut um mehr als 1000 Punkte abgestürzt. In der Folge brachen auch die Börsen in Japan und China am Freitag ein. Nun hat auch der Dax auf Wochensicht mehr als 5 Prozent verloren. Experten sind aber bereits optimistisch und rechnen mit einer Erholung. Die Angst vor steigenden Zinsen halte die US-Börsen im Würgegriff, sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Zu viele Anleger wollten dort "gleichzeitig durch die eine enge Türe."

An der Börse geht die Sorge geht um, dass die Zinsen schneller steigen könnten als erwartet. In den USA fürchten Anleger, dass die Konjunktur befeuert von der Steuerreform von Präsident Donald Trump heiß laufen könnte. Damit könnte die Inflation schneller steigen und die US-Notenbank Fed gezwungen sein, die Zinsen rascher anzuheben. Die Geldschwemme und Niedrigzinsen der großen Notenbanken halten Anleger seit Jahren bei Laune. Investoren müssen das viele Geld aber auch irgendwo anlegen - es herrscht Anlagenotstand. Investoren setzten daher verstärkt auf Aktien, die dank Dividenden attraktiv sind verglichen mit Spareinlagen.

Anleihen interessanter

Nun dreht sich die Lage langsam: Steigende Zinsen machen Anleihen von Staaten und Unternehmen gegenüber Aktien wieder interessant. In den USA warfen die richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihen zuletzt schon rund 2,8 Prozent Rendite ab - und bieten Investoren damit schon einen ordentlichen Ertrag. In Deutschland sieht es dagegen mau aus: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt bei 0,76 Prozent.

In der Eurozone sind Zinserhöhungen absehbar unwahrscheinlich. Denn hier hinkt die Inflation weiter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent hinterher - obwohl die Wirtschaft sich erholt. Im Januar lag die Inflation im Euroraum bei 1,3 Prozent. EZB-Präsident Mario Draghi dämpft Hoffnungen von Sparern. "Auf Basis der heutigen Daten und Analysen sehe ich sehr wenig Chancen, dass die Zinsen in diesem Jahr steigen könnten", sagte er.

Dass der Dow Jones so stark absackt, liegt auch am weit verbreiteten Computerhandel. Werden bestimmte Kursmarken nach unten durchbrochen, verkaufen die Programme automatisch und blitzschnell weitere Papiere. Das verstärkt den Sturz. Aber auch die lange stark steigenden Kurse in den USA haben für eine Überhitzung gesorgt. Anleger hätten sich daran gewöhnt, dass die Kurse immer höher kletterten, schreiben Experten der Deutschen Bank. Nun sei es kein Wunder, dass die Korrektur so viel Nervosität verursache.

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