19.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Nach russischem Importstopp Aufkäufe und Entschädigungen geplant Hilfe aus Brüssel für Obst- und Gemüsebauern

Brüssel hilft den vom russischen Importverbot für europäische Lebensmittel betroffenen Bauern. Erzeuger von knapp 20 leicht verderblichen Obst- und Gemüsesorten können EU-Hilfe beantragen. Das gab die EU-Kommission am Montag bekannt.

Kunden in Russland müssen künftig auf bestimmte Obst- und Gemüsesorten aus EU-Anbau verzichten. Die Einfuhrbeschränkungen treffen Landwirte zahlreichen Länder der EU. Nun will Brüssel den Bauern finanziell unter die Arme greifen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Geplant sind Aufkäufe und Entschädigungen für vorzeitige Ernte oder Ernteverzicht. Landwirte können seit Montag auch rückwirkend Unterstützung beantragen. Die Maßnahmen gelten bis Ende November, die EU-Kommission geht von Kosten in Höhe von 125 Millionen Euro aus. Das Geld soll aus dem großen europäischen Topf für Agrarpolitik kommen. Das Hilfsangebot gilt für Erzeuger von Tomaten, Möhren, Weißkohl, Paprika, Blumenkohl, Gewürz- und Salatgurken, Pilze, Äpfel, Birnen, Trauben zum Verzehr, Kiwis und rote Früchte. Letzteres ist laut EU-Kommission ein Sammelbegriff für Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren sowie schwarze, rote und weiße Johannisbeeren. Für Waren, die kostenfrei verteilt werden, erhalten Landwirte von der EU den vollen Preis. Für andere Aufkäufe, vorzeitige Ernte oder Ernteverzicht soll Bauern laut EU-Kommission der halbe Preis erstattet werden.

Während nach Brüsseler Angaben 2013 rund 10 Prozent der in Europa angebauten Kiwis nach Russland ausgeführt wurden sowie 8 Prozent der Birnen und 7 Prozent der Äpfel, war es bei Karotten und Rüben 1 Prozent. Die EU-Kommission muss die Hilfen noch beschließen, dies gilt einem Sprecher zufolge als Formalie.

Importstopp für Autos?

Im Fall neuer Sanktionen von EU und USA erwägt Russland Medien zufolge ein Importverbot für westliche Autos. Ein entsprechender Vorschlag sei Kremlchef Wladimir Putin übermittelt worden, berichtete die Tageszeitung "Wedomosti" am Montag. Eine Anweisung des Kremls, neue Sanktionen auszuarbeiten, gebe es aber noch nicht.

Die deutsche Autobranche hielt sich am Montag mit Stellungnahmen zurück. Für sie war Russland in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Markt geworden. Aber schon vor der Ukraine-Krise hatte der Absatz zu schwächeln begonnen, was die Branche auf die lahmende Konjunktur und den schwachen Rubel zurückführt. Im ersten Halbjahr kamen der Zeitung zufolge Importautos in Russland auf einen Anteil von 27 Prozent am Absatz, Lastwagen machten 46 Prozent aus. 2013 kauften die Russen 2,78 Millionen neue Autos, das waren 5,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Am Montag kündigte der US-Autobauer Ford an, die neue Serie seines Modells Fiesta komplett in Russland herstellen zu wollen. Dafür werde ein Werk in der Teilrepublik Tatarstan modernisiert, teilte das russisch-amerikanische Joint Venture Ford Sollers am Montag mit.

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