Neue Auflagen bedrohen traditionelle Fahrgeschäfte
EU-Norm bringt Karussells ins Trudeln

Bild: Kunz
Weiden. (ps) Nein, das "Aus" für das Weidener Volks- und Schützenfest sieht Platzmeister Hans Blum nicht besiegelt. Aber zumindest das "Aus" für einige ältere Fahrgeschäfte und damit auch Schausteller. Der Auslöser: Eine EU-Norm, deren neue Sicherheitsstandards in der Bundesrepublik ebenso auf alte Fahrgeschäfte angewandt wird. "Nur in Belgien und Deutschland ist das der Fall", ärgert sich der 2. Vorsitzende der Bezirksstelle Weiden-Amberg im Schaustellerverband. "In allen anderen EU-Ländern gilt Bestandsschutz."

EU wollte Bestandsschutz

Seit 2004 würden Fahrgeschäfte bereits nach der neuen Norm gebaut. Für ältere Baujahre habe auch in Deutschland Bestandsschutz gegolten. Doch der sei 2012 gestrichen worden. Dass die Vorgehensweise in Deutschland strenger ist als in den benachbarten Ländern, sorgt für erhitzte Gemüter. "Der TÜV verlängert die Ausführungsgenehmigung in den Prüfbüchern nicht, wenn die neue EU-Norm nicht erfüllt wird." Deswegen ziehen jetzt viele Schausteller vor Gericht. Der Bezirk Weiden-Amberg unterstützt die Klage dieser Kollegen finanziell. Denn deren Existenz sei bedroht. "Die Kollegen müssten die Statik neu berechnen und ihr Geschäft entsprechend umbauen lassen", erklärt Blum. "Das ist für viele finanziell gar nicht zu leisten." Selbst im günstigsten Fall kämen da 60 000 Euro auf den Betreiber zu. Wer Pech habe, müsste sogar 250 000 Euro berappen.

Das Ganze sei völlig unsinnig, kritisiert Blum. "Die Geschäfte sind hundertprozentig sicher, das hat schon die alte Norm erfordert. Jetzt handelt es sich einfach um neue Vollzugsvorschriften." Das möchte der Weidener CSU-Stadtrat gerne auch seinem Parteikollegen Innenminister Joachim Herrmann ins Stammbuch schreiben. Dessen Aussage, es gehe um mehr Sicherheit, zeige, "dass er keine Ahnung hat".

Als Betreiber mehrerer Kinderkarussells ist Hans Blum von der neuen Vorschrift übrigens nicht betroffen. Sie schreibt eine durchschnittliche Belastbarkeit von 100 Kilo pro Person vor, früher waren es 75 Kilo. "Das gilt für Großfahrgeschäfte, wie beispielsweise das Breakdance." Oder auch das Kettenkarussell, das derzeit am Volksfest in Weiden viele Fans anzieht. "Jeder will doch solche nostalgischen Geschäfte." Die müssten auch jetzt schon jedes Jahr neu vom TÜV Süd abgenommen werden, und diese Prüfung sei sehr streng. Bei jedem Aufbau kontrolliere das örtliche Bauamt zudem, ob alle Auflagen erfüllt sind.

Sollte die Klage seiner Kollegen abgeschmettert werden, ist es mit der beliebten Mischung aus alt und neu bei den Volksfesten vorbei, zeigt sich Blum sicher. "Manche Betreiber von nostalgischen Fahrgeschäften würden dann aufgeben, andere ihr Geschäft nach Frankreich oder Tschechien verkaufen und dafür etwas Neues anschaffen." Die Konsequenz: Es wären nur noch moderne Fahrgeschäfte auf den Festplätzen vertreten. "Das wäre doch schade."
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