05.03.2018 - 20:36 Uhr
Deutschland & Welt

Neue Geschäftsfelder für Stromanbieter Energiekonzerne: Turbulente Zeiten

Die Energiewende hat die Stromriesen Eon und RWE schwer gebeutelt. Die Suche nach neuen Gewinnbringern ist schwierig. Hinzu kommen Spekulationen über die Zukunft der RWE-Tochter Innogy.

Mit einem Transparent mit der Aufschrift "Innogy" wirbt der Energiekonzern RWE für die Ökostromtochter. Archivbild: Roland Weihrauch/dpa
von Agentur DPAProfil

Essen. Als "wichtiges Investment" mit "großen Zukunftschancen" hatte die RWE-Ökostromtochter Innogy vor eineinhalb Jahren ihren Einstieg bei dem Berliner Start-up Move24 angekündigt. Diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Im Februar musste der Online-Umzugsspezialist, der vom Strom- und Gasanschluss bis zum Telefon alles für den Kunden regelt, Insolvenz anmelden.

Der Milliardenkonzern Innogy hat dadurch keinen großen finanziellen Schaden, weniger als 10 Prozent halten die Essener an dem Start-up. Bei Wagniskapital-Investitionen seien solche Fehlschläge "nicht unüblich", heißt es bei Innogy. Der Fall zeigt aber, wie schwer es für Energiekonzerne ist, neue Geschäftsfelder zu erschließen und Gewinne aus vielen kleinen Quellen einzusammeln.

Im Jahr 2016 hatten sich die beiden Energieriesen RWE und Eon unter dem Druck von Milliardenverlusten aufgespalten. RWE brachte das Geschäft mit erneuerbaren Energien, dem Vertrieb und dem Netz unter dem Namen Innogy an die Börse und behielt die konventionellen Großkraftwerke und den Strom-Großhandel. Eon machte es umgekehrt. Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze blieben bei der Mutter, Kohle- und Gaskraftwerke gingen an die Tochter Uniper.

Eon und Innogy verdienen ihr Geld vor allem mit den Stromnetzen. Das dürfte vorerst auch so bleiben. "Auf absehbare Zeit sehe ich neben den Netzen kaum etwas anderes, was zuverlässig Gewinne abwirft", sagt Professor Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen. Ganz so stark sprudele diese Quelle auch nicht mehr, weil die Bundesnetzagentur die Gebühren gekürzt habe.

Vor allem für Innogy sind es turbulente Zeiten. Im Dezember 2017 musste Vorstandschef Peter Terium gehen. Nach einer Gewinnwarnung war der Innogy-Kurs in den Keller gerauscht und hatte auch die Aktien der Konzernmutter RWE auf Talfahrt geschickt. Denn RWE, mit 77 Prozent Hauptaktionär von Innogy, ist auf gute Dividendenzahlungen der Ökostrom-Tochter angewiesen.

Die Suche nach einem Nachfolger für Terium wird von Spekulationen über eine Zerschlagung des Konzerns begleitet. Auch Eon wird dabei Interesse an den Netzen nachgesagt. Kürzlich musste Innogy versichern, in der Aufsichtsratssitzung an diesem Dienstag würden "ausdrücklich keine wie auch immer gearteten Szenarien in Bezug auf einen Verkauf des Unternehmens behandelt". Eon hat mit Uniper andere Probleme. Für knapp 3,8 Milliarden Euro verkauft Eon seinen Anteil von etwa 47 Prozent an den finnischen Fortum-Konzern. Pro Aktie zahlen die Finnen 22 Euro. An der Börse wird das Uniper-Papier mit über 24 Euro bewertet. Eon-Chef Johannes Teyssen muss sich vor Kritik wappnen, er habe die Tochter unter Wert abgegeben.

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