09.07.2017 - 21:56 Uhr
Deutschland & Welt

Neue Vorwürfe gegen Ex-Konzernchef Was wusste Winterkorn wann?

Wolfsburg/Berlin. Sie bleibt unklar, die Rolle des früheren VW-Chefs Martin Winterkorn im Abgas-Skandal. Bald zwei Jahre nach seinem Rücktritt stellt sich wieder die Frage: Was wusste er wann von den Diesel-Manipulationen? Die VW-Lesart: Erst im September 2015 erfährt die Konzernspitze davon. Doch laut "Bild am Sonntag" wusste Winterkorn schon zwei Monate früher Bescheid. Ein Vorwurf, der immer wieder zu hören, aber nicht belegt ist.

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
von Agentur DPAProfil

Mit brüchiger Stimme und angespannt verspricht der Manager am 22. September 2015 "schonungslose Aufklärung". Und von "schlimmen Fehlern einiger Weniger". Einen Tag später tritt er zurück obwohl er sich "keines Fehlverhaltens bewusst" sei.

Für die Aufklärung von möglicherweise entscheidender Bedeutung ist der 27. Juli 2015: An diesem Tag besprechen VW-Manager in Wolfsburg Schadens- und Produktthemen. Das Format nennt sich im VW-Slogan "Schadenstisch". Dabei war neben Winterkorn auch der damals neue VW-Markenchef Herbert Diess. Thema: Die Lage in den USA, wo die Behörden den Manipulationen auf die Schliche gekommen waren.

Doch was am "Schadenstisch" tatsächlich besprochen wurde, ist noch immer nicht genau geklärt. Der US-Kanzlei Jones Day, die den Skandal im VW-Auftrag untersucht, liegen laut dpa rund 50 Aussagen von Managern vor - die sich aber in zentralen Punkten widersprechen. Hat Winterkorn eine vollständige Offenlegung angeordnet oder nur eine teilweise? Beteiligte verließen den Raum gar mit dem Gefühl, nicht weiter zu sein als vorher. Und nicht alle unterzeichneten das Protokoll, das Winterkorn angeblich eher belastet.

Hier setzen die neuen Informationen der "BamS" an: Demnach erläutert dort ein Abgas-Experte - der als Kronzeuge auftritt - vor Winterkorn und Diess die Betrugssoftware detailliert. "Habt Ihr auch so etwas verwendet?", soll Winterkorn dann den von BMW gekommenen Diess gefragt haben. Antwort: "Nein." VW will sich mit Verweis auf laufende Ermittlungen - wegen Verdachts auf Betrug sowie auf Marktmanipulation, auch gegen Winterkorn - nicht äußern.

Die Vorwürfe gegen Winterkorn, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, sind nicht neu, das Datum 27. Juli 2015 auch nicht. Dennoch erhöhen die Vorwürfe den Druck auf VW und Winterkorn.

Der Autoexperte Stefan Bratzel spricht von einem "schlechten Zeichen" für Europas größten Autobauer. "Die Frage wird sein, inwieweit das als so relevant eingeschätzt werden musste, dass sofort eine Ad-hoc-Meldung abgesetzt werden musste." Genau darum drehen sich die Anlegerklagen gegen VW - nach Bekanntwerden des Betrugs rauschten die Aktienkurse steil nach unten. Das Volumen der Schadenersatzklagen liegt inzwischen bei fast neun Milliarden Euro.

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