18.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Neuer Karstadt-Eigentümer will angeblich 15 bis 20 Häuser schließen Vor tiefen Einschnitten

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt steht nach dem Eigentümerwechsel vor einer ungewissen Zukunft. Die rund 17 000 Mitarbeiter müssen sich auf Einschnitte gefasst machen. Bereits am Donnerstag will der Aufsichtsrat nach bisherigen Planungen über ein Sanierungskonzept beraten.

Shoppen bei Karstadt wird auch künftig möglich sein. Allerdings könnten nach ersten Spekulationen 15 bis 20 der 83 Häuser bei der Sanierung des Warenhauskonzerns unter die Räder kommen. Die Gewerkschaft will dem neuen Eigentümer genau auf die Finger sehen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Der österreichische Investor René Benko übernimmt nun die Kontrolle bei dem kriselnden Konzern vom bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen. Die Gewerkschaft Verdi bekräftigte am Wochenende ihre Forderung an Benko, ein Konzept zu präsentieren, das die Zukunft von Karstadt und den Beschäftigten sichere.

Die Zeit drängt

Viel Zeit dürfte Benko bei den anstehenden Entscheidungen nicht haben. Denn Karstadt steckt seit langem in einer Krise. Das Unternehmen kämpft mit roten Zahlen und rückläufigen Umsätzen. Mittelfristig könnten 15 bis 20 Häuser geschlossen werden, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das Umfeld Benkos.

Bevor dies geschehe, wolle der Österreicher aber Haus für Haus auf Rentabilität prüfen. Ein Sprecher von Benkos Signa-Holding kommentierte den Bericht auf Anfrage nicht. Den "SZ"-Informationen zufolge will Benko zehn Jahre oder mehr bleiben und in das Unternehmen investieren. Er plane, Markenhändler als zusätzliche Mieter in die meisten Karstadt-Häuser zu holen und sie zu größeren Einkaufszentren umzubauen.

Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte schon vor einem Monat einen harten Sanierungskurs angekündigt: Alles müsse bei Karstadt auf den Prüfstand gestellt werden. Das Unternehmen mache sich "berechtigte Sorgen um die Profitabilität" von mehr als 20 Warenhäusern, hatte Fanderl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. Konkrete Schließungsbeschlüsse gebe es aber noch nicht.

Am Freitag war bekanntgegeben worden, dass der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen die Kette für einen Euro an Signa abgibt. Anfang der Woche soll der Österreicher die Kontrolle über die 83 Filialen übernehmen. Auch Berggruens verbliebene Anteile an den Karstadt-Premium-Kaufhäusern und Karstadt Sports sowie die Markenrechte gehen an Signa. Das Bundeskartellamt muss dem Deal noch zustimmen.

Keine Bereicherung

Berggruen wies Vorwürfe zurück, sich am Unternehmen bereichert zu haben. "Fakt ist: Karstadt war für uns kein gutes Geschäft, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch mit Blick auf meinen Ruf in Deutschland", meinte er. Mit seinem Komplettausstieg wolle er den Weg für einen Neuanfang freimachen. "Alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann", sagte er.

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