23.08.2017 - 21:48 Uhr
Deutschland & Welt

Oberpfälzer spitze in Westdeutschland Geldbeutel gut gefüllt

Rund 2000 Euro mehr haben die Oberpfälzer Haushalte im Vergleich zu 2012 jährlich für den Konsum übrig. Das entspricht einem Zuwachs von über 10 Prozent und ist die zweithöchste Steigerung in Westdeutschland.

von Dominik Konrad Kontakt Profil

Regensburg. (exb/dko) Die Kaufkraft in der Region wächst im deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich stark. Eine Studie der IHK ergab für die Oberpfalz mit Landkreis Kelheim zweistellige Zuwachsraten in den vergangenen fünf Jahren. Zwar profitieren in Deutschland derzeit hauptsächlich die neuen Bundesländer von der positiven Kaufkraftentwicklung, doch 10,4 Prozent Plus bedeuten für die IHK-Region Platz zwei in den alten Bundesländern. Die Oberpfalz wird nur von der Region Bodensee-Hochrhein überboten, die enorm vom Grenzverkehr mit der Schweiz profitiert.

Die absolute Kaufkraft in der Oberpfalz liegt damit allerdings immer noch unter dem deutschen Durchschnitt. "Wir haben auch aufzuholen", gibt Dr. Matthias Segerer deshalb zu bedenken. Der promovierte Betriebswirtschaftler von der IHK in Regensburg macht die überdurchschnittlich positive wirtschaftliche Entwicklung für das Wachstum verantwortlich: "Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen erwarten, das der positive Trend sich fortsetzt. Die Zahlen in der Region geben uns auch recht." Die Oberpfalz habe im Vergleich einen relativ hohen Anteil an produzierendem Gewerbe. "Die Unternehmen haben da anscheinend nicht so sehr aufs falsche Pferd gesetzt."

Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes bewertet die Entwicklung in der Oberpfalz positiv: "Von der guten Wirtschafts- und Auftragslage profitieren auch die Beschäftigten der Unternehmen."

Nördliche Oberpfalz spitze

Vor allem die nördliche Oberpfalz hat von 2012 bis 2017 stark aufgeholt: Den Landkreisen Neustadt/WN (11,2 Prozent) und Tirschenreuth (11,9 Prozent) ist als einzigen in der Oberpfalz ein Zuwachs von über 11 Prozent gelungen. In Deutschland insgesamt hat die Kaufkraft im gleichen Zeitraum nur um 9,53 Prozent zugelegt. Rein rechnerisch stehen jedem Haushalt im Jahr 2017 jährlich 22 196 Euro für den Konsum zur Verfügung (Bundesschnitt: 22 467 Euro).

Mit 24 963 Euro beträgt die Kaufkraft in der Stadt Regensburg über 4700 Euro mehr als im Landkreis Cham (20 260 Euro). "Ballungsräume locken gut ausgebildete Fachkräfte mit höheren Gehältern, der ländliche Raum hingegen punktet mit niedrigeren Lebenshaltungskosten", erklärt Helmes. "Der ländliche Raum kann durch günstigere Eigentums- und Mietpreise punkten. Das gehört auch zur Lebenshaltung und Lebensqualität", sagt Segerer.

Regensburg attraktiv

Für den Handel ist vor allem die sogenannte Einzelhandelszentralität interessant. Sie erklärt, wie viel Kaufkraft dem Standort auch tatsächlich zufließt, einfach gesagt: Wo die Bürger zum Einkaufen hinfahren. Ein Indexwert von über 100 bedeutet, dass eine Stadt als Einkaufsstandort überdurchschnittlich attraktiv ist. Spitzenreiter in der Region Oberpfalz-Kelheim ist mit einem Wert von 288,2 die Kreisstadt Cham, dicht gefolgt von Neutraubling mit 266,7. Auch die Städte Weiden (208,5) und Schwandorf (173,8) liegen noch vor Regensburg (166,9).

"Die Zentralität hängt nicht nur vom Einzelhandelsangebot ab, sondern auch von der Einwohnerzahl und der Konkurrenzsituation im Umland. Cham, Schwandorf und Weiden sind traditionelle Einkaufsstädte mit einem großen Hinterland", sagt Segerer. Im Vergleich mit Städten zwischen 100 000 und 200 000 Einwohnern ist Regensburg ein attraktiver Standort und hinter Trier (190,5), Würzburg (183,2) und Koblenz (167,9) bundesweit auf Platz vier.

Kaufkraft

Die Kaufkraft bezeichnet das verfügbare Einkommen pro Haushalt. Es ist das Einkommen ohne Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, inklusive Transferleistungen. Die Einzelhandelskaufkraft (Karte ) ist dagegen der Teil der Einkünfte, den die Bürger für den Konsum im Einzelhandel oder Versandhandel ausgeben können. Sie ermittelt sich aus den Nettoeinkünften abzüglich Miete und Nebenkosten, Hypothekenzinsen, Versicherungen, Kraftfahrzeuge, Reisen und Dienstleistungen. (exb/dko)

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